Sektion des Monats

Bündner Kunstverein

Im Jahr 2025 feiert der Bündner Kunstverein bereits sein 125-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit seinen 1'600 Mitgliedern fördert der Bündner Kunstverein die bildende Kunst in Graubünden. Er ist Träger der Wechselausstellungen im Bündner Kunstmuseum Chur und verantwortet damit das jährliche Ausstellungsprogramm. Ergänzend fungiert er als Herausgeber von Publikationen und Ausstellungskatalogen und ist Organisator von Veranstaltungen wie dem Kunsthausfest oder der Veranstaltungsreihe Museum meets…. Zusätzlich ist der Bündner Kunstverein für den Museumsshop und das Museumscafé verantwortlich.

Alle Information zum Bündner Kunstverein finden Sie auf der Webseite www.buendner-kunstverein.ch

Aktuell im Bündner Kunstmuseum

Dieter Roth. Gepresst gedrückt gequetscht

29.04. – 27.08.2023

Das Bündner Kunstmuseum widmet Dieter Roth eine Ausstellung, die eine seltene Übersicht über sein ausuferndes druckgrafisches Schaffen anhand repräsentativer Werkgruppen gibt.

Ausgehend von seinem Frühwerk zur konkreten Kunst und Poesie, gelang Roth in Providence, USA, der künstlerische Befreiungsschlag. Der Künstler experimentierte fortan mit Lebensmitteln als Werkstoff, brach mit allen formalen Erwartungen und setzte damit eine Entwicklung in Gang, die bis heute als bahnbrechend gilt. In der Folge schuf der Künstler ein druckgrafisches Werk von gewaltiger stilistischer Vielfalt. Druckerzeugnisse unter Einbindung von Wurst und Käse, ikonografische Siebdrucke nach Postkarten oder später eher malerische Stillleben zeugen von seiner immensen Schaffenskraft. Dreh- und Angelpunkt blieb das Thema Selbstreflexion, das sich über alle Phasen hinweg mal humorvoll, mal selbstkritisch, mal lakonisch präsentierte. Aus seiner Auseinandersetzung mit Sprache, der er zeitlebens treu blieb, gingen Werke hervor, die bis in die Gegenwart ihren provokativen Gehalt nicht verloren haben.

Die Werkschau, die rund 200 Grafiken umfasst, ermöglicht im Fokus der Schlüsselwerke eine einmalige Vertiefung von Roths experimenteller Werkauffassung und wird flankiert von ausgewählten Künstlerbüchern, mit denen er ebenfalls Neuland betrat.

Die von Dr. Dirk Dobke und Dr. Ina Jessen für die Deichtorhallen Hamburg kuratierte Ausstellung wird für das Bündner Kunstmuseum adaptiert und bringt in der umfangreichsten Dieter-Roth-Ausstellung seit gut 20 Jahren Material-und Druckwerke aus allen Schaffensperioden zusammen.

Weiterhin zu sehen

Ilse Weber. Helle Nacht

18.02. – 30.07.2023

Ilse Weber (1908-1984) ist eine Ausnahmeerscheinung und eine Einzelfigur in der Schweizer Kunstgeschichte. Sie gehört jener Generation von Künstlerinnen an, (Ilse Weber ist Altersgenossin von Meret Oppenheim), für die es noch keinen typischen Ausbildungs- und Karriereverlauf gab. Nach einem eher tastenden Berufseinstieg folgte relativ spät die offizielle Anerkennung. Von einem eher schwerblütigen Spätimpressionismus herkommend, suchte die Künstlerin immer mehr die Erfassung von Gedanken- oder Erinnerungsbildern und wollte zum Ausdruck bringen "was sie noch nie gesehen hat". Als um 1970 eine neue Generation von Kunstschaffenden an die Öffentlichkeit trat, rückte Ilse Weber unvermittelt ins Zentrum aktueller künstlerischer Diskurse. Die Gunst der Stunde wirkte sich stimulierend auf Ilse Webers Arbeit aus. Es entstand ein einzigartiges Spätwerk (die Künstlerin war damals bereits über 50 Jahre alt): ihr eigentliches Hauptwerk, in dem sie sich von jedem Vorbild löste und sich einer poetischen Subjektivität zuwandte. Neben der Ölmalerei gewannen die Zeichnung und das Aquarell grosse Bedeutung. Die Bildwelt bewegte sich in einer Balance zwischen dem herkömmlichen Sujet – Stillleben, Landschaft, Interieur – und einer traumhaften Realität.

Die letzte Einzelausstellung von Ilse Weber fand 1992 im Kunsthaus Zürich statt. Die Ausstellung im Bündner Kunstmuseum ist seit dreissig Jahren die erste grosse Einzelausstellung der Künstlerin in einem Kunstmuseum, obwohl Ilse Weber in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten ist und nach wie vor hochgeschätzt wird, insbesondere von Künstlerinnen und Künstlern.

Die Ausstellung im Bündner Kunstmuseum hat den Anspruch, einen repräsentativen Überblick zu geben über das Schaffen von Ilse Weber von ihrem künstlerischen Durchbruch 1960 bis zu ihrem Tod 1984. In acht Kapiteln wird sowohl in der Ausstellung wie auch im Begleitbuch eine neue Lesart dieses Werkes versucht.

Linda Semadeni. Manor Kunstpreis

18.02. – 03.07.2023

Linda Semadeni zeigt in der Ausstellung im Bündner Kunstmuseum auf zwei gegenüberliegenden Wänden grossformatige Prints. Sie beruhen auf einer umfassenden Zeichnungsserie aus dem Jahr 2023. Ein performatives Erkunden liegt diesen Zeichnungen zu Grunde. In jedem Strich, in jeder Markierung liegen Linda Semadenis Bewegungen. Auf mehreren hundert Blättern zerlegt sie durch Verdrehung und Repetition Wortkombinationen wie «I'm not a nice girl» oder «I'm a hot nice girl» in ihre Fragmente. Plastik, Spraydosen, Feuer, Fotopapier, Haare, Filzstift und Luftpolsterfolie kommen zur Anwendung. Die Unberechenbarkeit wird zum gestalterischen Prinzip.

Ausgehend von den Reproduktionen dieser Zeichnungen erarbeitet die Künstlerin für die Ausstellung im Bündner Kunstmuseum zwei neue digitale Bilder. Aus dem Zentrum der Prints blickt uns jeweils ein Auge an. Linda Semadeni untersucht auch hier den Übergang zwischen Bild und Sprache, wenn sie in die Prints die Worte «not» und «hot» einarbeitet. Die Künstlerin kreist mit den Wortvarianten die Ambivalenz unserer Gegenwart ein, erschliesst sie als Sinnbild von kollektiven Denkmustern und befragt unsere Leistungsgesellschaft. Die Wortkombinationen «I'm not a hot nice girl» oder «I'm not a nice girl» befeuern Erwartungshaltungen an Körperbilder, Verhaltensweisen, Rollenbilder oder Erfolgsdruck und neutralisieren sie im gleichen Zug. Linda Semadeni geht mit ihrer Arbeit der Frage nach, wie unsere Handlungen und Gedanken beeinflusst werden und macht ihre Ausstellung zur Bühne ihrer Reflexionen.

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"univers privat - der Podcast des Bündner Kunstmuseums" erscheint begleitend zu ausgewählten Ausstellungen im Bündner Kunstmuseum. Im Dialog sprechen die Beteiligten ganz privat über ihr "Universum Kunst".

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Führungen und Veranstaltungen

Immer aktuell: Bitte informieren Sie sich auf der Webseite des Bündner Kunstmuseums www.buendner-kunstmuseum.ch

Kontakt

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c/o Bündner Kunstmuseum
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www.buendner-kunstverein.ch