Sektion des Monats

ArtForum Bellelay

Die Stiftung

Zilla Leutenegger, L’ouest ou l’est, 2019, Fotos: Serge Hasenböhler
Zilla Leutenegger, L’ouest ou l’est, 2019, Fotos: Serge Hasenböhler

Die Stiftung der Abteikirche von Bellelay organisiert seit 55 Jahren in der Klosterkirche Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, Seit dem Jahr 2008 allerdings steht der Dialog mit der Architektur im Vordergrund. Dazu werden Künstlerinnen und Künstler eingeladen, in-situ zu arbeiten. Boris Rebetez, Christian Gonzenbach, Catherine Gfeller, Florian Graf, Rudy Decelière, Romain Crelier, Renate Buser, Haus am Gern, Julia Steiner, Lutz und Guggisberg, Mirko Baselgia oder Zilla Leutenegger sind nur einige jener Künstlerinnen und Künstler, die mit ihren ortsspezifischen Installationen neue Perspektiven auf die barocke Kirche öffnen konnten.

ArtForum

Der Stiftungsrat hat im Jahr 2010 einen Verein unter dem Namen ArtForum gegründet. Der Zweck des Vereins ist es, die Stiftung in ihren Aktivitäten zu unterstützen und ihre Promotion zu fördern.

ArtForum organisiert und finanziert punktuelle Veranstaltungen im Zusammenhang mit den Ausstellungen.

Video-Portrait von ART-TV zum ArtForum Bellelay

2019

Zilla Leutenegger: L’ouest ou l’est

Zilla Leutenegger, L’ouest ou l’est, 2019, Fotos: Serge Hasenböhler

Die Poesie des Alltäglichen findet Einzug in die barocke Monumentalität der Klosterkirche in Bellelay. Zilla Leutenegger zeichnet in die scheinbare Leere der Klosterkirche, als ob sie ein unbeschriebenes Blatt wäre. Mit der installativen Arbeit L’ouest ou l’est hinterfragt Zilla Leutenegger die Sehgewohnheiten und schafft mit viel Empathie Räume aus Erinnerungsfragmenten. Es sind Räume zum Träumen. Die eigens für die Klosterkirche entstandene Arbeit L’ouest ou l’est der in Zürich lebenden Künstlerin Zilla Leutenegger (*1986 in Zürich, lebt und arbeitet in Zürich) spielt mit der Licht- und Klangstruktur des Ortes. Charakteristisch für Zilla Leuteneggers künstlerisches Schaffen ist der mediale Dialog zwischen Zeichnung, Videoinstallationen und skulpturalen Elementen. Ausgehend von Zeichnungen, die durch ihre Einfachheit bestechen, Unfertiges und Skizzenhaftes zulassen, schafft sie Welten aus Wahrnehmbarem und der Fantasie.

Geschichte

Die Legende
Zu Beginn des 12. Jahrhunderts, im Jahre 1136 nach der Legende verirrte sich Siginand, der Probst von Moutier-Grandval, beim Jagen des Wildschweins. Nachdem er drei Tage in den Wäldern der Gegend verbracht hatte, machte er ein Gelübde. Er beschloss, falls er errettet würde, am Platze, wo seine schöne Bache (französisch: belle laie) getötet worden war, eine Kapelle zu errichten und dieser den Namen des Tieres zu geben, das ihn in Gefahr gebracht hatte. Heute weiss man, dass „la belle laie“ ein grosser, schöner Wald gewesen ist, nach dem lateinischen Ausdruck „bella lagia“.

Historische Tatsachen
Historische Dokumente bestätigen tatsächlich die Gründung der Abtei von Bellelay durch Siginand, zwischen 1140 und 1142. Die Abtei wurde von Chorherren bewohnt, die aus der Abtei vom Lac de Joux gekommen waren. Der Orden nannte sich die Prämonstratenser. Er setzte sich zum Ziel, nach den Regeln des heiligen Norberts, wilde Sumpfgebiete in fruchtbares Land umzuwandeln. Man gibt jedoch zu, dass der Ort, wo die Abtei von Bellelay angelegt worden ist, sorgfältig ausgewählt wurde. Dies im Gegensatz zur Legende. Sie war an der römischen Strasse gelegen, die Petinesca (bei Biel) über die Pierre-Pertuis und den Mont-Relais (Les Rangiers) mit der Ortschaft Mandeure (10 km südlich von Montbéliard) an den Ufern des Doubs verbunden hat. Im Jahre 1142 war die Abtei erstellt und Papst Innocent II. hatte ihre Besitztümer bestätigt, zu denen die Kirchen von Boécourt, St. Ursanne und Nugerol (die später die „Blanche-Eglise“ von La Neuveville genannt wird) und Weinberge am Ufer des Bielersees, usw. gehörten. Eine weise Verwaltung und viele Gunstbezeugungen machten aus Bellelay ein während mehr als 600 Jahren geachtetes und auch reiches Unternehmen. So gewährte das Konzil von Konstanz im Jahre 1414 dem Abt Henri Nerr, der daran teilnahm, sowie seinen Nachfolgern das Recht, künftig den Ring, die Bischofsmütze und den Bischofsstab zu tragen. Damit wurde der Abt von Bellelay gewissermassen in den Rang eines Bischofs erhoben. Die Abtei von Bellelay wurde dreimal durch Feuersbrünste zerstört. Zum ersten Mal geschah dies 1402, worauf sie sofort wiederaufgebaut wurde. Während dem Schwabenkrieg im Jahre 1499 wütete der zweite Brand diesmal durch plündernde Soldaten verursacht. Die feierliche Einweihung der neuen gotischen Kirche fand 1513 statt. Um Pfingsten 1556 verwüstete der dritte Brand die Abtei, worauf das Unheil mit Hilfe von kirchlichen Mitteln aus Solothurn und Delsberg behoben wurde. 
 

Franz Beer – 300 Jahre Abteikirche von Bellelay
Nach dem Ende des 17. Jahrhunderts begann die ruhmvollste Epoche von Bellelay, während der die grossartigen Gebäude errichtet wurden, die man heute noch sehen kann. Die Herberge (das heutige „Hôtel de l’Ours“) liess der Abt Frédéric de Staal im Jahre 1698 errichten. Sein Wappen befindet sich über der Eingangstür. Unter Abt Jean-Georges Voirol aus Les Genevez wurde zwischen 1710 und 1714 die heutige Kirche in Barockstil nach den Plänen vom österreichischen Architekten Franz Beer erbaut. Das Innere der Kirche ist durch ihre Schlichtheit ein Meisterwerk geworden. Wenn man sie mit der Kirche von St. Urban/LU vergleicht, die durch den gleichen Architekten gebaut wurde, wird man sich der damaligen Bedeutung der Abtei Bellelay bewusst.

Das Ende der Abtei
Am 15. Dezember 1797, auf dem Höhepunkt seines Ruhms, wurde Bellelay durch französische Revolutionstruppen unter General Gouvion-Saint-Cyr besetzt. Chorherren und Schüler wurden verjagt. Plünderungen und weitere unwürdige Szenen folgten sich. Die Fresken des Kirchenchors wurden mit Bleigeschossen durchsiebt, die später bei der Instandstellung wiedergefunden wurden. Am Morgen des 6. Februar 1798 verliessen die letzten Prämonstratenser Bellelay für immer. Sie hatten der Gegend viel gebracht.  Im März 1798 wurden die Güter von Bellelay verkauft und verstreut – ein legaler Diebstahl. Die Gebäude und die Besitzungen von Bellelay gingen daraufhin in die Hände von verschiedenen Besitzern über und die Kirche wurde der Reihe nach als Bierbrauerei, Glashütte, Stall, Scheune und Lagerhaus verwendet. Schlussendlich war sie in einem jämmerlichen Zustand.

Informationen

Öffnungszeiten:
1. Juni – 9. September 2019
Mo-Fr 10 - 12 Uhr / 14 -18 Uhr
Sa-So 10 - 17 Uhr 

Kontakt:
Abbatiale de Bellelay
2713 Bellelay
www.abbatialebellelay.ch