Sektion des Monats

Kunstmuseum Solothurn

1902 wurde das Museum der Stadt Solothurn mit verschiedenen Abteilungen zu Kunst, Geschichte und Natur eröffnet. Seit 1980, nach Aufnahme bedeutender Stiftungen (Dübi-Müller-Stiftung, Josef-Müller-Stiftung und Max-Gubler-Stiftung), fungiert das ganze Haus als Kunstmuseum Solothurn. Es besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen. Darunter befinden sich wichtige Schweizer Kunstschaffende wie Cuno Amiet, Albert Anker, Frank Buchser, Max Buri, Alberto Giacometti, Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler, Fernand Léger, Meret Oppenheim, Markus Raetz, Roman Signer, Jean Tinguely, Félix Vallotton und viele mehr. Aber auch bedeutende internationale Kunstschaffende sind vertreten, darunter Georges Braque, Paul Cézanne, Gustav Klimt, Henri Matisse, Georges Rouault oder Vincent van Gogh.

In seinem Ausstellungsprogramm legt das Kunstmuseum Solothurn den Fokus auf Schweizer Kunstschaffende der Gegenwart und thematische Überblicksausstellungen. In den letzten Jahren konnten wir – dank der grosszügigen Unterstützung vieler – Ausstellungen von Silvie Defraoui, Alexander Hahn, Daniela Keiser, Ingeborg Lüscher, Vaclav Pozarek, Mario Sala, Adrian Schiess, Albrecht Schnider, Anselm Stalder und vielen weiteren realisieren.

Das Kunstmuseum Solothurn wird von der Stadt getragen und funktioniert unabhängig vom Kunstverein Solothurn, mit dem es jedoch kooperativ verbunden bleibt. So finden etwa die Ausstellungen des Kunstvereins in den Sälen des Kunstmuseums statt.

https://www.kunstmuseum-so.ch

Kathrin Sonntag: ICHDUERSIEESWIRIHRSIE

19. Juni bis 12. September 2021

Plakat Kathrin Sonntag: ICHDUERSIEESWIRIHRSIE, Gestaltung: Pascal Storz

Ist das ein Fragezeichen oder doch eine gedrehte Pfeife? Das Werk von Kathrin Sonntag (*1981) verlangt einen zweiten, gar dritten Blick: Oft verlangsamt ihre Kunst bewusst unsere Wahrnehmung und stellt diese selbst zur Schau. Mit Mitteln der Entschleunigung oder des visuellen Stolperns führt sie uns den Prozess des alltäglichen Sehens vor Augen. Da erstaunt es nicht, dass die Künstlerin in einer dafür spezialisierten Manufaktur ihre eigenen Augäpfel nachbilden liess. Diese artifiziellen Glasaugen sind Objekte, wollen aber auch ein Antlitz, ein Subjekt simulieren. Wenn wir sie auf dem Sockel betrachten, wird die sonst so klare Beziehung zwischen Subjekt und Objekt plötzlich unscharf.

Die in Berlin lebende Künstlerin mit Schweizer Wurzeln präsentiert im Kunstmuseum Solothurn eine umfassende Einzelausstellung mit Fotografien, Objekten und Installationen unter dem Titel ICHDUERSIEESWIRIHRSIE. Auf eine Überforderung des Lesers abzielend, verwehrt er eine schnelle Entzifferung – spiegelt dann aber ein dichtes Beziehungsgeflecht, das sich auch in der Kunst von Kathrin Sonntag zeigt. Für die Präsentation geht die Künstlerin stark auf die Räumlichkeiten des Kunstmuseums Solothurn als Ort ein und bezieht auch Elemente der Architektur und die Geschichte des Kunstmuseums in ihre künstlerische Arbeit mit ein.

Réserve du Patron: Arbeiten auf Papier. Aus den Erwerbungen 1998–2021

19. Juni bis 26. September 2021

Giovanni Giacometti (1868–1933), Wasserträgerin (Annetta), um 1905, Bleistift auf Papier, 27,5 x 29 cm, Kunstmuseum Solothurn, Schenkung Bruno und Odette Giacometti, 2006

Die Ausstellung im Graphischen Kabinett beleuchtet anhand einer Auswahl von Erwerbungen der Jahre 1998–2021 ein spezifisches Feld der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn: Die Arbeiten auf Papier. Unter dem Titel Réserve du Patron wird ein Fokus auf den Sammlungsschwerpunkt in der Amtszeit des abtretenden Konservators gelegt. Ab 2002 fanden im erweiterten Graphischen Kabinett zahlreiche Einzelausstellungen bedeutender Schweizer Zeichnerinnen und Zeichner statt. Nicht selten konnten anschliessend grosse Werkgruppen dank Ankäufen oder Schenkungen erworben werden, wie im Falle von Giovanni Giacometti, Otto Morach, Alexandre Perrier oder Felix Vallotton. Mit einem 40-teiligen Konvolut von Zeichnungen von Ferdinand Hodler, das dem Museum 2015 aus dem Nachlass von Rudolf Schindler zukam, ist auch die Vaterfigur der Schweizer Moderne prominent vertreten.

Zu den Erwerbungen gehören aber auch Arbeiten auf Papier der Gegenwartskunst, wie Werke von Marie-Theres Amici, Marc Bauer, Christian Denzler, Annatina Graf, Alex Hanimann, Christoph Rütimann, Adrian Schiess, Roman Signer, Albrecht Schnider, Anselm Stalder, Uwe Wittwer oder René Zäch beweisen.

Krieg und (falscher) Frieden

Aus der Sammlung: Schweizer Kunst der Kriegsjahre 1939–1945

Max von Moos (1903–1979), Maske (blau), 1943, Tempera auf Karton, beidseitig bemalt, 29,5 x 21 cm, Kunstmuseum Solothurn

2. März bis 15. August 2021

Mitte Mai 2021 fand im Grossen Oberlichtsaal eine musikalische Darbietung des bedeutenden Orion-Ensembles statt. Im Programm erklingt das Streichsextett aus der 1942 uraufgeführten Oper Capriccio von Richard Strauss (1864–1949). Während den Grausamkeiten des Nazi-Regimes hat der deutsche Komponist ein Werk geschaffen, das mit dem Rückgriff auf den Wohlklang des Rokoko diametral zur damaligen Realität steht.

Wie haben Kunstschaffende der Schweiz auf die damalige Kriegsbedrohung reagiert? Spiegeln sich in ihren Gemälden Angst und Sorge – oder haben sie sich eine Gegenwelt ausgemalt? In der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn befinden sich viele Gemälde aus den Kriegsjahren 1939–45. Viele stammen aus den Stiftungen von Josef Müller, Gertrud Dübi-Müller und Walter Schnyder, die ihre Freunde Ernst Morgenthaler (1887–1962), Max Gubler (1898–1973) oder Maurice Barraud (1889–1954) in Notzeiten unterstützten. Ihre Bildwelten könnten nicht unterschiedlicher sein: Barrauds friedliche Szenen begegnen der spürbaren Melancholie von Morgenthaler und Gubler. Sprechend sind einige Gemälde von 1945, die das Ende des Schreckens kommentieren.