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Das neue Kunsthaus Zürich: Eröffnung am 9. Oktober 2021

Am 9. Oktober 2021 nimmt das erweiterte Kunsthaus Zürich den Betrieb auf. Die von David Chipperfield Architects gestaltete Erweiterung macht das Ensemble zum grössten Kunstmuseum der Schweiz. Sowohl in den Bestandsbauten wie in der Erweiterung stösst das Publikum auf neue Werke aus der Sammlung des Kunsthauses, entdeckt bisher selten gesehene private Sammlungen und erschliesst sich öffentliche Räume, die beeindrucken.

Spannende Impressionen dazu erhält man hier: https://countdown.kunsthaus.ch/

Kunsthaus Zürich, Chipperfield-Bau
Ansicht Heimplatz mit Installation «Tastende Lichter» (2020) von Pipilotti Rist, © Pipilotti Rist Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich
Kunsthaus Zürich, Sammlung Looser: Willem de Kooning, Hostess, 1973, Untitled XI, 1982, Untitled
IX, 1977, © The Willem de Kooning Foundation/2021 ProLitteris, Zurich; John Chamberlain, Archaic Stooge, 1991, Socket Grey, 1977, © Fairweather & Fairweather LTD/2021 ProLitteris, Zurich
Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

Kunst im dynamischen Kontext

Im Chipperfield-Bau steht die Kunst ab den 1960er-Jahren, ihr Bedeutungs- und Beziehungsreichtum im Mittelpunkt. Das kuratorische Konzept zeigt auf, welche parallelen Techniken innerhalb einzelner Epochen der Kunstproduktion bestehen und wie sich die Gattungen Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie und neue Medien zueinander verhalten. 

Wichtige Impulse gehen von der Sammlung Looser aus – von Minimal Art, dem abstrakten Expressionismus und der Arte Povera. Darüber hinaus nehmen Galerien klassischen Formats Gemälde des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne auf. 

Als Fest der Farbe darf die Sammlung Merzbacher bezeichnet werden, deren jüngste Erwerbung mit Pipilotti Rists «Pixelwald» (2021) bis in die Gegenwart führt.

Künstlerisch-kuratorische Neuerung ist ein Digital Lab, ein physischer Raum, der digital gespiegelt wird. Dort werden Kunstwerke und Performances präsentiert, die sich mit dem virtuellen Raum beschäftigen oder ins Netz übertragen werden.

Neue, mittelgrosse Wechselausstellungsflächen regen zum wiederholten Besuch des Chipperfield-Baus an. Den Auftakt macht «Earth Beats. Naturbild im Wandel». Die Ausstellung verknüpft künstlerische Produktionen aus mehreren Jahrhunderten mit aktuellen Fragestellungen zum Klimaschutz.

Kunsthaus Zürich, Sammlung Bührle Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

Französischer Impressionismus

Die traditionell starke Präsenz der französischen Malerei in der Schweiz erhält durch die räumliche und organisatorische Anbindung der Sammlung Emil Bührle unter dem Dach des Kunsthaus Zürich eine entscheidende Vertiefung im Bereich der Sammlung. Mit diesem publikumswirksamen Schwerpunkt rangiert Zürich in Europa nun direkt hinter Paris. Die von Emil Bührle (1890–1956) hinterlassenen weltbedeutenden impressionistischen Werke sind mit seiner Tätigkeit als Rüstungsindustrieller und mit der Zeitgeschichte eng verflochten, was Gegenstand einer ausführlichen Dokumentation ist. Sie ist Bestandteil des Rundgangs durch die Säle, in denen rund 170 Werke gezeigt werden, und vermittelt historischen Kontext zu Bührles Rolle als Industrieller, Mäzen und Sammler.

Programmatische Erweiterung

Positionen seiner eigenen Sammlung im Kontext von politischen und ethischen Konflikten erläutert das Kunsthaus an den Erwerbungen aus der Sammlung Glaser – bei Gemälden von Edward Munch – und mit einer Arbeit zu Fluchtgut und Vertreibung des jungen Franzosen Raphaël Denis, «La Loi normale des erreurs: les transactions Göring-Rochlitz» (2021). Im Bestandsbau sind auch künstlerische Schwerpunkte verstärkt worden: die grösste Präsentation bedeutender Werke von Alberto Giacometti, zu sehen im Kontext von Zeitgenossen wie den Surrealisten und Plastikerinnen der Gegenwart wie Rebecca Warren. Die niederländische Malerei von Rembrandt über Rubens bis Ruisdael ist mit dem Zugang einer weiteren bedeutenden Privatsammlung, der Sammlung Knecht (Jan Brueghel d. Ä., Hendrick Avercamp, Adriaen Coorte u.a.) markant erweitert und neu arrangiert.

Kunsthaus Zürich, Interventionsraum:
Anna Boghiguian, Untitled, 2018; Kader Attia, Culture, Another Nature Repaired, 2018
© Anna Boghiguian; © 2021, ProLitteris, Zurich Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

Über alle Gebäude verteilt, treffen die Besucherinnen und Besucher auf Interventionsflächen. Diese setzen Akzente zwischen Epochen und Gattungen – bieten Raum für die Werke von Künstlerinnen und Künstlern unserer Zeit, die auf tradierte kunstgeschichtliche Themen Bezug nehmen oder diese herausfordern. Wie beispielsweise die Künstler Kader Attia und Anna Boghiguian mit Beiträgen zum postkolonialen Diskurs, die in unmittelbarer Nachbarschaft von niederländischen «orientalischen» Werken positioniert sind, welche dadurch kritisch interpretiert werden können.

Werke auf Papier – Zeichnungen, Druckgrafik und Fotografie, die aus konservatorischen Gründen nicht dauerhaft ausgestellt werden können – erhalten jetzt einen eigenen Raum, in dem die Präsentationen regelmässig wechseln. Den Auftakt macht eine Accrochage zum Legat von Leonie Tobler mit Meistergrafik von Dürer über Rembrandt bis zu Manet und Gauguin.

Nachdem viele Werke der fragilen Dada-Sammlung digitalisiert werden konnten, finden Originale nun dauerhaft ihr Publikum. In einem eigenen Raum verdeutlichen Positionen von Hannah Höch, Hans Arp und anderen Zürichs Beitrag an die Avantgarde zwischen den Weltkriegen, die nach Berlin, New York und Paris expandierte.

Kunsthaus Zürich, Chipperfield-Bau
Bar mit «Pétales et jardin de la nymphe Ancolie» (1934) von Max Ernst, © 2021, ProLitteris, Zurich Foto: Juliet Haller, Amt für Städtebau, Zürich

Neuer Designstore, offener Garten, Festsaal zum Mieten

Das neue Kunsthaus erweitert auch sein Angebot im Bereich der öffentlichen Nutzungen. Die imposante Halle – das Foyer Walter Haefner – sowie der Festsaal und die Ateliers der Kunstvermittlung können für private Veranstaltungen aller Formate gebucht werden. Der Shop im Chipperfield-Bau präsentiert sich als Designstore. Der Garten zwischen der Erweiterung und der alten Kantonsschule ist mit Sitzgelegenheiten und einer Infrastruktur – dem Rondell – für Veranstaltungen ausgelegt. Der Garten kann auch ausserhalb der Öffnungszeiten des Museums genutzt werden. 2022 wird er anlässlich der Ausstellung «Niki de Saint Phalle» zum Ausstellungsort unter freiem Himmel.

Mit Plastiken von Dan Graham, Kader Attia, Pipilotti Rist, Auguste Rodin u.v.a.m., die das Kunsthaus umgeben, baut das Museum eine Brücke zu neuen Besuchergruppen und fördert die Beschäftigung mit Kunst im öffentlichen Raum.

In der neuen Kunsthaus-Bar empfängt Max Ernsts Fresko «Pétales et jardin de la nymphe Ancolie» (1934) die Gäste von morgens früh bis spät in die Nacht. Ein wunderbares «conversation piece» – geschaffen damals für die legendäre Zürcher Corso-Bar.

Vorschau

10.12.2021 – 6.3.2022
Barockes Feuer. Die Grafik des Giovanni Benedetto Castiglione

4.3. – 29.5. 2022
Yoko Ono: This Room Moves at the same Speed as the Clouds 

25.3. – 1.5. 2022
Alexandra Bachzetsis. 2021: Obscene

8.4. – 17.7. 2022
Take Care: Kunst und Medizin

20.5. – 14.8. 2022
Rudolf Koller. Die Skizzenbücher.  

24.6. – 4.9. 2022
Federico Fellini. Von der Zeichnung zum Film. 

2.9.2022 – 8.1.2023
Niki de Saint Phalle. Die Retrospektive.

7.10.2022– 22.1.2023
Aristide Maillol. Die Suche nach Harmonie

Allgemeine Informationen

Kunsthaus Zürich, Heimplatz, CH–8001 Zürich
Tel. +41 (0)44 253 84 84, www.kunsthaus.ch