Schaffhausen – Die Herbstversammlung des Schweizer Kunstvereins vom 6. November 2025 stand ganz im Zeichen der Frage, wie Museen ihre Zukunft im digitalen Zeitalter gestalten. Rund 35 Mitglieder trafen sich im Museum zu Allerheiligen, wo Direktorin Gesa Schneider zunächst Einblicke in zwei aktuelle Ausstellungen gewährte.
In der Schau «SpielKartenKunst» präsentierte sie Künstlerkarten u. a. von Félix Vallotton, Ditha Moser, HR Giger und Niki de Saint Phalle – ein Streifzug durch eine oft unterschätzte, aber kunsthistorisch reiche Bildgattung. Danach ging es in die Ausstellung «Eiszeit. Leben vor 17 000 Jahren», wo das berühmte «Weidende Rentier» aus der Kesslerlochhöhle erstmals im Original zu sehen ist.
Digitale Experimentierräume
Höhepunkt der Versammlung war der Vortrag von Sophie Grossmann, Co-Kuratorin am Museum für Gestaltung Zürich. Ihre Ausstellung «Museum of the Future – 17 digitale Experimente» dient als Labor, in dem ausgelotet wird, wie neue Technologien Sammlung, Vermittlung und Ausstellungspraxis verändern könnten.
Besonders eindrücklich: das digitale Panorama der Schlacht von Murten. Das monumentale, physisch kaum bewegliche Gemälde wurde mit 1,6 Terapixeln digitalisiert und als immersiver Raum inszeniert – ein Format, das neue Zugänge ermöglicht, ohne die Originalsubstanz zu gefährden.
Ebenfalls viel Aufmerksamkeit erhielt die digitale Reinszenierung von Sophie Taeuber-Arps Marionetten (1918). Dank virtueller Steuerung werden die Bewegungsqualitäten ihres Werkes erfahrbar, ohne die fragilen Originale zu beanspruchen. Weitere Experimente demonstrieren, wie KI historische Texte und Bildarchive innert Sekunden erschliessen kann.
Grossmann betonte, dass es sich um explorative Technologien handelt – um ein Zukunftslabor, das Fragen stellt statt fertige Lösungen präsentiert.
Zwischen Faszination und Skepsis
In der Diskussion zeigte sich ein breites Interesse an den neuen Vermittlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig gab es kritische Stimmen zur Rolle der KI und zur Gefahr, künstlerische Handschriften durch algorithmische Muster zu überlagern. Konsens bestand darin, dass Museen den digitalen Wandel aktiv mitgestalten müssen – und dass der Schweizer Kunstverein diese Debatten weiterführen soll.