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Schweizerischer Kunstverein
Kunstverein & Kunstmuseum Olten
Jahresgabe 2013: René Zäch

100 Jahre jung – Der Kunstverein Olten

Am 4. Mai 1914 wurde der Kunstverein Olten von kunstliebenden Oltner Bürgern mit der Zielsetzung gegründet, die Sammlung des noch jungen städtischen Kunstmuseums über seinen Martin Disteli-Bestand hinaus mit Ankäufen zu mehren und mit Ausstellungen zur «Hebung des Kunstsinnes und des Kunstverständnisses» beizutragen.

Heute zählt der Kunstverein Olten unter den kleineren Schweizer Kunstvereinen ohne eigenes Haus sicher zu den aktivsten:

  • Er erfreut sich eines treuen Stammpublikums mit etwas über 600 Mitgliedern.
  • Seit 1923 beschenkt er seine Mitglieder jedes Jahr mit einer Originalgrafik oder einem Buch und editiert ab und zu Sonderdrucke.
  • Die 1915 begründete Sammlung umfasst, ohne Jahresgaben, rund 90 Werke. Seit den 1970/80er-Jahren gibt es wegen knapper Mittel nur wenige Neuerwerbungen, kürzlich kamen durch Schenkungen 18 zeitgenössische Arbeiten hinzu.
  • Seit 1927 organisiert der Verein eine «Weihnachtsausstellung», seit 1985 im Wechsel mit dem Kunstverein Solothurn als «Jahresausstellung der Solothurner Künstlerinnen und Künstler».
  • Von 1989 bis 2011 wurde jährlich eine Kunstvereinsreise organisiert.
  • 1999 eröffnete der Kunstverein in Genua ein Künstleratelier, das vom Kanton Solothurn mitgetragen wurde. 18 Kunstschaffende verbrachten dort je ein halbes Jahr, bis das Mietobjekt Ende 2008 wegen Eigenbedarf gekündigt wurde.
  • Zur aktiven Künstlerförderung gehören auch die Publikationen, mit denen der Verein seine Ausstellungen begleitet.


www.kunstvereinolten.ch

Aktivitäten im Jubiläumsjahr

Logo der 29. Jahresausstellung

Mit der längsten Jahresausstellung der Solothurner Künstlerinnen und Künstler startete der Verein ins Jubiläumsjahr. Ein Referendum gegen das Oltner Budget 2014 hatte eine Ausgabenblockade verursacht, was u. a. die geplante Folgeausstellung im Kunstmuseum verunmöglichte. Dank der spontanen Solidarität aller Kunstschaffenden gab es eine mit attraktiven Aktionen bereicherte Verlängerungszeit. Statt am 26. Januar schloss die 29. Jahres­ausstellung der Solothurner Künstlerinnen und Künstler erst nach 94 Tagen am 9. März ihre Türen.

Stadthaus Olten

Ungewohnte Ausstellungsorte kennzeichneten das Jahresprogramm, denn aktuell ist der Kunstverein ohne eigene Ausstellungsräumlichkeiten, weil der ihm seit 1966 zur Verfügung stehende 10. Stock des Stadthauses wegen Gebäudesanierung blockiert ist. Schwierigkeiten beflügeln, nach kreativen Lösungen zu suchen und zwischenzeitlich ungewohnte Wege zu gehen.

Samuel Buri: Les géraniums, 1964 (Einladungskarte)

Die Präsentation «Rosinen aus der Sammlung des Kunstvereins Olten» im Designgeschäft «Schauraum» (1.–25.5.2014) bot einen Rückblick auf 100 Jahre Sammlungs- und Vereinshistorie sowie ein Spiegelbild der Zeit- und Kunstgeschichte.

Christian Kathriner: nomen nominandum, 2014 (im Kino Lichtspiele Olten)

Im Rahmen des ambitionierten Projekts «Kammerspiel» (29.8.–14.9.2014) zeigten 24 Kunstschaffende – je zur Hälfte aus der engeren Region und aus der ganzen Schweiz – zumeist ortsspezifische Arbeiten in 15 über die ganze Stadt verteilten Lokalitäten. Das «Kammerspiel» hat der Kunst Türen aufgestossen, die ihr bisher verschlossen waren und Kunstwerke in ungewohnten Alltagssituationen, privaten und halbprivaten Räumlichkeiten erleben lassen. Mit: Reto Allemann, Joëlle Allet, Saskia Edens, Reto Emch, Monica Germann & Daniel Lorenzi, Daniel Glaser/Magdalena Kunz, Marcus Gossolt, Regina Graber, Natalie Hauswirth, Alex Herzog, Christian Kathriner, Esther Kempf, Reto Leibundgut, Patrizia Maag, Victorine Müller, Andrea Nottaris, Roland Nyffeler, Christof Schelbert, Bruno Streich, Verena Thürkauf, Lena Maria Thüring und Niklaus Wenger.

www.kammerspiel-olten.ch

Max Hari (Einladungskarte)

Auf Einladung des Kunstvereins zeigt Max Hari aktuell in der Raiffeisenbank Olten die Kunstintervention «Linie.Gold.Aktie.Fleck.» (21.8.–21.11.2014). Seine Visualisierung bankspezifischer Schlagworte ist eine Auseinandersetzung mit globaler Vernetzung und dem Verständnis von Bildzeichen.  

kunstintervention max hari

Umschlag Jubiläumspublikation: Jahresgabe 2008, Andreas Hofer

Zum Abschluss des Jubiläumsjahrs erscheint die Publikation «Kunstverein Olten 1914–2014. Ein Rückblick auf die Jahre 1990–2014». Verfasser Peter Killer zeichnet die zurückliegenden Jahre nach und ergänzt so das 1989 zum 75-Jahr-Jubiläum erschienene Buch «Die Kunst ist gross, die Stadt ist klein ...».

Engagiertes Lobbying für Kunst und Kultur

Petitionsübergabe

Der Kunstverein bewies jüngst, dass er – ganz im Sinne der Gründerväter, die «eine Vereinigung aller kunstfreundlichen Elemente» zum Ziel hatten – auch heute einen wichtigen Part im kulturellen Leben der Stadt spielt. So übernahm er die Führungsrolle, als Anfang 2014 dramatische finanzpolitische Entscheide die drei städtischen Museen (Kunst-, Natur- und Historisches Museum) in ihrer Existenz bedrohten. Er initiierte die Vereinigung «pro Kultur Olten» und lancierte eine Petition gegen die drohende Schliessung des Kunstmuseums. Innert zwei Monaten wurde sie von 3750 Sympathisanten aus dem In- und Ausland unterzeichnet und am 31. März dem Oltner Stadtpräsidenten übergeben. Der von «pro Kultur Olten» am 10. Mai in der Innenstadt organisierte «Tag der Kultur» war ein grosses fröhliches Fest mit Hunderten von Sympathisanten und zugleich eine Mahnung, die vielfältige Oltner Kultur nicht durch kurzsichtige Finanzentscheide zu zerstören. Am 2. September institutionalisierte sich «pro Kultur Olten» als Verein, präsidiert von einem Vorstandsmitglied des Kunstvereins.

www.pro-kultur-olten.ch

Verein & Museum – Eine Freundschaft eigenständiger Partner

René Zäch: Konspiration, 2011

Kunstverein und Kunstmuseum sind unabhängig und doch freundschaftlich eng verbunden. Beide profitieren von den guten wechselseitigen Beziehungen. So ist die Sammlung des Vereins als Depositum im Museum untergebracht, der/die MuseumsleiterIn nimmt Einsitz im Vereinsvorstand und ein Vorstandsmitglied vice versa in der Kunstmuseumskommission. In den ersten Jahrzehnten ergänzte der Kunstverein mit seinen auf das regionale Schaffen fokussierten Ausstellungen die bescheidenen Möglichkeiten des Museums, allerdings selbst in wechselnden und beengten räumlichen Verhältnissen. 1953 wurden ihm grosszügige Räumlichkeiten im neuen Verwaltungsgebäude der damaligen ATEL (heute Alpiq) zur Verfügung gestellt. Mit den dort bis 1965 präsentierten Einzel- und Gruppenausstellungen mit zeitgenössischem Kunstschaffen aus der Schweiz und darüber hinaus, erzielte er nationale Aufmerksamkeit. Das Kunstmuseum hingegen stellte sich in jenen Jahren vorwiegend in den Dienst des regionalen Schaffens, weil ihm die Räume für grössere Ausstellungen fehlten, was sich erst nach dem Umzug in das heutige Haus änderte. Seither verfolgen beide Seiten eine eigenständige Ausstellungspolitik. Die Zusammenarbeit machte Grossprojekte wie die «5. Biennale der Schweizer Kunst» 1985 in Olten möglich. Heute fördert der Kunstverein gezielt das aktuelle regionale Kunstschaffen, auch mit Blick auf weiter gefasste Kontexte. Das Museum bietet mit seinem Programm einen nationalen Rahmen.

Klein und fein! – Das Kunstmuseum Olten

Katja Schenker: Mit angewinkelten Beinen, 2012

Das über hundertjährige städtische Kunstmuseum ist wohl das kleinste der grossen, professionell geführten Kunsthäuser der Schweiz mit eigener Sammlung, national beachtetem Ausstellungsprogramm, starkem Engagement im Bereich Bildung und Vermittlung und regelmässiger Publikationstätigkeit.

Die besondere räumliche Situation in einem ehemaligen Gewerbe- und Wohnhaus nutzt das Museum immer wieder für experimentierfreudige Wechselausstellungen: so bedeckte Katja Schenker 2012 zwei ganze Etagen mit einer begehbaren Bodenarbeit während Michael Meier & Christoph Franz 2013 eine Tiefgarageneinfahrt ins Parterre bauten. Grosse thematische Ausstellungen bringen Werke der Sammlung mit zeitgenössischen Positionen zusammen, zuletzt «BABEL», «Frühling, lass Dein blaues Band!» oder «Ich. Du. Die Anderen – Künstler portraitieren». Das Format «Disteli-Dialog» befragt den Gründungsbestand des Oltner Karikaturisten Martin Disteli (1802–1844) aus heutiger Perspektive, aktuell mit einem Projekt von San Keller.

Die qualitätvolle Sammlung umfasst Schweizer Kunst vom 18. Jh. bis in die Gegenwart. Schwerpunkte bilden neben den Teilnachlässen von Martin Disteli und Otto Morach u. a. wichtige Werkgruppen von Cuno Amiet, Max Gubler, Paul Camenisch und anderen Vertretern der figurativen Malerei des 20. Jhs.

www.kunstmuseumolten.ch

Cuno Amiet, Bretonin, 1892

«Mein Lieblingsbild» – Eine Liebeserklärung an die Sammlung
Seit Frühling lädt das Museum während einem Jahr zu einer besonderen Entdeckungsreise durch die Oltner Kunstsammlung ein: Jedes Wochenende schreibt ein Gast in der «Schweiz am Sonntag», Ausgabe Oltner Tagblatt, über sein persönliches Lieblingsbild. Dieses wird dann samt Beschreibung eine Woche lang im Museum präsentiert. – Wenn Sie sich beteiligen möchten, freuen wir uns über Ihre Mail!

lieblingsbild

Mirko Baselgia – von der Macht des Geldes

Mirko Baselgia beim Hängen

Beim Betreten des Museums streicht einem aktuell der betörende Duft von Arvenholz und Bienenwachs um die Nase, formschöne, edel materialisierte Objekte schmeicheln dem Auge. Doch der zweite Blick und die Reflexion über die Titel machen deutlich, dass es dem jungen Bündner Künstler nicht ums Zelebrieren von Ästhetik und Oberfläche geht, sondern um grosse Lebensfragen, um Zusammenhänge und Wechselwirkungen sozialer Vorgänge und Werte, vor allem aber um die gestaltende, strukturbildende Macht des Geldes – eindrücklich thematisiert in der «Banca rotta», einem die Schuldenlast des Künstlers verkörpernden «Renaissance»-Wechseltisch. Die bisher grösste Ausstellung Baselgias kombiniert neue Werke mit Arbeiten der letzten drei Jahre und erstmals auch Zeichnungen zu einer dichten Inszenierung. Vernissage: 25.10.2014, 18.30 Uhr

ausstellung mirko baselgia

Oltner Finanznot – Quo vadis Kunstmuseum?

Max von Moos: Inferno, 1955

Wegen hoher Steuerausfälle von juristischen Personen hat sich die Finanzsituation der Stadt Olten seit Anfang 2013 massiv verschlechtert. Die deshalb ergriffenen Sparmassnahmen haben in den städtischen Budgets 2013/14 zu markanten Kürzungen geführt. Das Kunstmuseum musste u. a. die geplante Ausstellung mit Christina Hemauer & Roman Keller auf 2015 verschieben und – bedingt durch eine zweimonatige Budgetblockade Anfang Jahr – die Schau von Rudy Decelière absagen. Als Ersatz wurde in Rekordzeit ein neues Projekt erarbeitet. Dank der spontanen und unbürokratischen Solidarität von 30 Schweizer Kunstmuseen konnte schon Ende März eine fulminante Frühlings-Ausstellung eröffnet werden.

Grundsätzlich in Frage gestellt wurde die Zukunft des Museums Anfang Jahr durch ein Postulat zur Prüfung der Möglichkeit einer baldmöglichsten Schliessung des Kunstmuseums bei Beibehaltung der Sammlung. Unter dem Eindruck der grossen Sympathiedemonstrationen – u. a. der vom Kunstverein lancierten Petition «pro Kunstmuseum Olten» – und gestützt auf vom Museum erarbeitete Grundlagen, bekannte sich der Stadtrat nach Ostern zur Weiterexistenz der drei städtischen Museen, kündigte jedoch für 2015 nochmals massive Budgetkürzungen an, die den Betrieb in der bisherigen Form gefährden. Dank positiver Signale von Seiten des Kantons Solothurn, der die Ausstellungs- und Vermittlungstätigkeit seit langem massgeblich unterstützt, und Absichtserklärungen von privater Seite, dem Museum in der Krise unter die Arme zu greifen, ist die Zuversicht gross, dass es gelingt, die traditionsreiche und lebendige Institution zu retten und mit innovativen Projekten in die Zukunft zu führen. Gewissheit über die städtische Haltung und den städtischen Beitrag werden jedoch erst die Beschlüsse des Gemeindeparlaments in der Budgetdebatte im November bringen.

informationen der stadtverwaltung