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Schweizerischer Kunstverein
Kunstbrief 3/2011 - September 2011

 

Nachrichten von Peter Studer, Präsident des Schweizer Kunstvereins – 22. September 2011

1. Kunst- und Kulturpolitik

Sehr geehrte Mitglieder des National- und Ständerats,

ziemlich bange wende ich mich an Sie. Denn in den nächsten Tagen werden Sie sehr wichtige Entscheide bei der Umsetzung des von Ihnen Ende 2009 beschlossenen Kulturfördergesetzes fällen. Am Montag beschliesst der Nationalrat, ob er den engen bundesrätlichen Kreditbeschlüssen zur "Kulturbotschaft" folgt oder diese etwas erhöht. Die Kommission Wissenschaft/Bildung/Kultur des Nationalrats hat nur die Erhöhung des Rahmenkredits für Heimatschutz und Denkmalpflege um 20 Millionen beantragt und folgt damit dem Antrag des Ständerates. Damit nehmen Sie den Kantonen etwas Verantwortung ab. Anschliessend an die Nationalratsdebatte folgt die Differenzbereinigung mit dem etwas grosszügigeren Ständerat.

Ich beschränke mich hier auf den Aspekt visuelle Kunst, wo nur eine Kommissionsminderheit der WBK die Aufstockung von jährlich CHF 2,15 Millionen für Pro Helvetia beantragt. Im Ständerat war diese Erhöhung zuletzt an der Hürde der Ausgabenbremse gescheitert. Grund des Erhöhungsantrags: Das neue Gesetz hat 2009 neue Aufgaben eingeführt (Nachwuchsförderung nunmehr für alle Kultursparten durch Pro Helvetia), aber keine zusätzlichen Mittel gesprochen. Ebenso gingen bisherige Aktivitäten vom Bundesamt für Kultur an Pro Helvetia – nur zum Teil mit zugehörigen Geldern. Die Erhöhung hätte geholfen, wenigstens einen Teil der Einbussen zu kompensieren. Die visuelle Kunst, wichtigstes Fundament des kulturellen Prestiges unseres Landes (Künstler von Amiet bis Zaugg; Kuratorenstars an Biennalen und Museen), ist zur Stunde das "gerupfte Huhn" des neu geordneten Kultur im Kulturförderungsgesetz.

Das ist widersinnig, wie namhafte Kulturexperten schreiben. So neuerdings Rolf Keller, Leiter des Studienzentrums für Kulturmanagement an der Universität Basel, in der NZZ vom 21. September:

...Das Parlament hat die weitsichtige Kulturförderung im Gesetz gefördert. "Noch ist es nicht zu spät für den konsequenten nächsten Schritt: im Kulturland Schweiz [bescheidene] Ressourcen für die Erfüllung dieser Aufgaben bereit zu stellen – wie das andere Länder in bedeutend höherem Masse tun – und damit die kurzsichtige Vorgabe [des Bundesrats] auf Kostenneutralität zu korrigieren. Auf welchem anderen Gebiet müsste die Legiferierung mit einer solchen Stahlkugel am Fuss erfolgen? ...

Besonders gefährdet sind die Projektbeiträge für Fotostiftung / Fotomuseum Winterthur, wo innert der letzten zehn Jahre Kulturaktivitäten von Weltruf entstanden sind. Und, lokaler: die Kunsträume, wo viele Künstler erste Hindernisse überwunden haben, drohen ihre Projektbeihilfen zu verlieren. Einige werden nur mit Mühe weiter existieren können. Da berührt die Empfehlung von Kulturminister Burkhalter, jetzt müsse die "Pro Helvetia halt Prioritäten setzen", ziemlich seltsam. Die neuen Aufgaben hat schliesslich das Parlament verordnet.

Auch das Bundesamt für Kultur muss übrigens sparen: Die Verantwortlichen der seit vielen Jahrzehnten bewährten Kunstpreise des Bundes, der international bewunderten "Swiss Art Awards", werden den Gürtel enger schnallen. Die Beträge müssen künftig auch für neue ähnliche Preissysteme in andern Kultursparten – an sich begrüssenswert – reichen. Das Geld reicht einfach nicht. "Kulturförderung" oder Kulturschmälerung?

An alle:
Begegnen Sie über das Wochenende eidgenössischen Parlamentarieren - sprechen Sie diese darauf an!

 

2. Kunstaktivitäten in der Zentralschweiz: Blick zurück, Kreativität nach vorn!

Projekt TANDEM

Wie sich herumgesprochen hat, betreibt der Schweizer Kunstverein zusammen mit der Hochschule Luzern, Design & Kunst und vier kuratierten Häusern der Innerschweiz im Herbst 2011 das Kunstvermittlungsprojekt TANDEM.

Vier kuratierte Häuser in Altdorf, Stans, Sachseln und Sursee präsentieren Künstler aus der Aufbruchsphase der 70er Jahre ("Innerschweizer Innerlichkeit" und Zeitgenossen), bewegt durch Jean Christophe Ammann). Ihnen begegnen 27 junge Künstler aus den Kunstabschlussklassen der Luzerner Hochschule. Es kommt zu erstaunlichen Ergebnissen. An diesem Wochenende findet die letzte Vernissage in Sursee statt (Sankturbanhof, 23. September, 19.30 Uhr). Das Projekt findet grosse Medienbeachtung. Es hat für viele einen Kulturraum Innerschweiz (oder Zentralschweiz?) erlebbar gemacht. Ein weiterer Akt:

Ab 9. Oktober finden Busfahrten statt, die ab Sachseln (15. 10.), Stans (16. 10.), Sursee (29. 10.) und Altdorf (30. 10.) sämtliche Häuser in einem Tagesprogramm besuchen (Stehlunch en route, mit Führungen und Produktionen). Start jeweils um 10.00 Uhr am Ausgangsort. – Ausser für die Premièrenfahrt ab Luzern (9. 10.) sind noch Plätze erhältlich. CHF 40.-,  inkl. Eintritte. Katalog Fr. 28.-. Gruppen ab 5 Personen mit Rabatt und Gratiskatalog je Person. Am 30.10. wird wahrscheinlich Jean-Christophe Ammann mitfahren. – Anmeldung: kaffeefahrt @hslu.ch.

ZEITZEUGEN REDEN: Am 28. September um 18.30 Uhr berichten die Kulturjournalisten Peter Killer, Niklaus Oberholzer, Max Wechsler und Annelise Zwez, wie sie die grob so benannte Epoche der "Innerschweizer Innerlichkeit" (1970/80) miterlebt und mitgeprägt hatten. – Kunstmuseum Luzern, Terrassensaal. – Moderation Silvia Henke. Eintritt frei, anschliessend Apéro.

Lesen Sie hier einen Bericht zum Projekt TANDEM in der Neuen Luzerner Zeitung vom 20.9.2011
PDF

Sehen Sie hier einen Bericht von art-tv aus dem Museum Bruder Klaus, Sachseln
www.art-tv.ch

 

DER MODERNE BUND

Im Luzerner Museum breitet sich diesen Herbst eine 60 Jahre früher abgelaufene Pionierphase aus. Am 18. September hat die Kunsthistorikerin Doris Fässler (Hrsg.) im Kunstmuseum Luzern die umfassende, reich bebilderte Monografie DER MODERNE BUND – BEGINN DER MODERNE IN DER SCHWEIZ vorgestellt (Luzern: Verlag Diopter, 2011). Eine Ausstellung im KKL (12. 8. bis 13. 11.) zeigt eine repräsentative Auswahl der Bilder dieses Bundes, der 1911 – 1914 sein Zentrum in Weggis am Fuss der Rigi hatte. Ihm gehörten an: Der grosse Anreger Jean / Hans Arp, der deutsche Frühexpressionist Walter Helbig, die dem Kubismus zuneigenden Schweizer Oscar Lüthy, Wilhelm Gimmi, Herrmann Kündig, Albert Pfister. Auch Paul Klee war oft dabei. Spektakuläre Mitaussteller: Ferdinand Hodler, Cuno Amiet, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso und Henri Matisse. – Nach einer ersten Ausstellung im Luzerner Nobelhotel Du Lac gelang dem Modernen Bund eine grosse Schau im Zürcher Kunsthaus, hernach die Beteiligung an prominenten Ausstellungen in München und Berlin, ja sogar an der New Yorker Armory Show. In der Schweizer Presse war die Ablehnung fast einhellig und gehässig. – Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs zerfiel der bereits kriselnde Moderne Bund. – Doris Fässler hat jahrelang akribisch recherchiert und die Geschichte des Bunds lebhaft erzählt. Warum Weggis? In der windgeschützten subtropischen Oase hatten sich zahlreiche Elsässer und Deutsche niedergelassen, unter anderen die Eltern von Jean / Hans Arp, die dort "s' Fabrikli" mit Zigarrenherstellung betrieben.

3. Hinweise / Termine

Ausstellungshinweise von Peter Aerschmann, Gast auf der Künstlerwebsite des Schweizer Kunstvereins
Der Berner Künstler Peter Aerschmann bespielt seit anfangs 2011 mit der interaktiven Videoinstallation «BABEL» die Website des Schweizer Kunstvereins.
Finden Sie hier Infos zu neuen Ausstellungen des Künstlers.

 

Die AHV und die Künste - Neue Regelungen für die Sozialversicherungen in der Kultur
Praxisseminar des Studienzentrums Kulturmanagement der Universität Basel

Die soziale Sicherheit von Kunstschaffenden wurde auf politischer Ebene nicht zuletzt durch das grosse Engagement von Kulturverbänden verbessert. Doch in der Praxis werfen die Neuerungen im Kulturbereich immer noch eine Fülle von Fragen auf. Um diese zu diskutieren und Kulturschaffenden und -veranstalter/innen wichtiges Grundlagenwissen zu vermitteln, bietet das Studienzentrum Kulturmanagement der Universität Basel am Montag, 24. Oktober 2011, 14.30 bis 18.00 Uhr ein Praxisseminar an.
Informationen und Anmeldung hier http://www.kulturmanagement.org/index.php?id=2635

 

Résumé de la lettre d'art du président (Kunstbrief) en français

Le résumé de la lettre du président (Kunstbrief) en français sera disponible un peu plus tard que la version originale.?Elle sera effectuée par l’un de nos membres de Suisse romande et mise aimablement à notre disposition pour le site Internet de la Société Suisse des Beaux-Arts.

Mit freundlichen Grüssen

Ihr Peter Studer,
Präsident des Schweizer Kunstvereins
praesident(at)kunstverein.ch
 

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Die Dachorganisation für Kunstförderung, Kunstvermittlung und
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