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Schweizerischer Kunstverein
Kunstbrief 3/2009 - Mai 2009

 

Nachrichten von Peter Studer, Präsident des Schweizer Kunstvereins – 4. Mai 2009

1. Kulturpolitik

Die Stunde der Wahrheit naht. In zügigem Tempo hat die Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturkommission (WBK) des Ständerats das Kulturförderungsgesetz durchberaten; es dürfte in der Juni-Session vor dem Ständerat liegen.
 
Wie der Nationalrat hat die Ständeratskommission die Verschmelzung der beiden Gesetzesentwürfe – Kulturförderung und Pro Helvetia – bestätigt. Im Unterschied zum Nationalrat und zum Verdruss der "Table Ronde" der Kulturorganisationen will die Ständeratskommission aber einen wichtigen Schritt zurück beliebt machen:
 
  -  Der Nationalrat hatte noch die Autonomie der Pro Helvetia (PH) unterstrichen und dem Stiftungsrat Pro Helvetia zugestanden, die PH-Strategie selber zu formulieren. Die Ständeratskommission krebst auf Wunsch des Bundesrats zurück: Der Bundesrat "legt für jeweils 4 Jahre die strategischen Ziele der Pro Helvetia fest"; der Stiftungsrat würde demnach nur noch die Umsetzung der bundesrätlichen Ziele besorgen. Die "Table Ronde" hält dies für falsch. Wenn der Bundesrat sich auf seinen eigenen "Corporate Governance Bericht" (2006) beruft, so ergibt eine genaue Lektüre dieses Berichts, dass durchaus Spielraum zugunsten einer echten und weiten Autonomie der Pro Helvetia bestünde – bei Ernennung des Stiftungsrats durch den Bundesrat, dessen Genehmigung (aber nicht Vorkäuen) der Strategie, Berichtspflicht der Pro Helvetia an den Bundesrat. Das alles steht in der Nationalratsversion. Die Pro Helvetia ist seit 1939 eine selbständige öffentlichrechtliche Stiftung, um keinen Verdacht auf "Staatskultur" zu nähren. Das sieht auch die neueste verwaltungs- und staatsrechtliche Literatur so. Deshalb sollte sie ihre Strategie selber formulieren können. (Der Schreibende hat dies in einem Kurzgutachten ausgeführt).
 
  -  Kulturelles Erbe: Schön, dass die Versicherung von Leihgaben für temporäre Top-Ausstellungen unserer Museen offenbar in beiden Räten bisher unbestritten ist. Der Nationalrat möchte es dem Bund ferner ermöglichen, Museumsnetzwerke auch mit Betriebsbeiträgen zu unterstützen – darin müsste eine Entlastung bei den horrenden Versicherungsbeiträgen Platz haben, die gerade die fest platzierten "Meistersammlungen" unerträglich beschweren (Winterthur, Basel mit öffentlichem und Beyelermuseum, Zürich mit öffentlicher und Bührlesammlung, Bern mit Kleesammlungen, Genf mit öffentlicher Sammlung). Bundesrat und Ständeratskommission zweifeln – offenbar aus Kostengründen.
 
  -  Schwieriger ist ein dritter Streitpunkt zu beurteilen. Der Nationalrat hatte eine massive Umverteilung von Kompetenzen weg vom Bundesamt für Kultur hin zur Pro Helvetia beschlossen. Nach dem Prinzip der Systemreinheit: Kulturpolitik und deren Rechenschaftsprüfung obliegen dem Bundesamt für Kultur (mit Entscheiden des Bundesrats und des Parlaments alle 4 Jahre); konkrete Projektförderung im definierten Bundesrahmen obliegen der Pro Helvetia. Nun hat die Ständeratskommission eine Kompetenz zurück ins Bundesamt für Kultur beantragt: Es geht um Art. 10 Nachwuchsförderung.
 
Für das Interessenfeld "Bildende Kunst" ist das von Bedeutung. Es geht vor allem um die Eidgenössische Kunstkommission (Präsidentin früher Jacqueline Burckhardt, jetzt Hansruedi Reust). Sie formuliert bisher die Empfehlungen für die Preise Swiss Art Award  (CHF 800'000 /Jahr für KünstlerInnen bis 40 Jahre) und Prix Meret Oppenheim (CHF 150'000/Jahr für KünstlerInnen über 40 Jahre). Das Bundesamt für Kultur spricht dann die Preise zu und folgt in aller Regel der Kunstkommission. Das hat gut funktioniert.
 
Aber die Pro Helvetia möchte ihre neue 13köpfige Fachkommission für diesen Vorgang einsetzen. Ganz klar ist dies freilich immer noch nicht, weil die "Preise" eigentlich beim Bundesamt für Kultur bleiben sollten (Art. 11 a). Segelt der wohl dotierte Swiss Art Award künftig unter "Nachwuchsförderung" oder unter "Preis"?
 
Vordergründig geht es um "Systemreinheit", so die Argumentation der Pro Helvetia, während das Bundesamt für Kultur und mit ihm die Eidgenössische Kunstkommission für "eine Ausnahme zugunsten bewährter Fachkompetenz" plädiert.

Und wo positioniert sich der Präsident des Schweizerischen Kunstvereins in der Kulturlobby, die sich sonst so erfolgreich auf gemeinsame Positionen im Gesetzesprozess zusammengerauft hat? Die Bildende Kunst wird stiefmütterlich behandelt, kommt in den Leistungsaufträgen des Radio- und Fernsehgesetzes (anders als Film und Musik) nicht vor, muss in der kantonalen Bildungsdiskussion meist hintan stehen (Kunst- und Zeichnungsunterricht).
Die Aufgabenteilung Pro Helvetia - Bundesamt für Kultur/Eidgenössische Kunstkommission hat sich laut Stichproben der Kunstschaffenden bewährt. Diese schätzen gerade den unterschiedlichen Charakter der Fachgruppen: Bei der Pro Helvetia arbeiten festangestellte Fachleute, während die Tätigkeit der Eidgenössischen Kunstkommission durch direkt aus der Praxis heraus rekrutierte und im Turnus wechselnde Experten geprägt wird. Auf die Pro Helvetia kommt mit vielen neu zugeschobenen Aufgaben ohnehin eine gewaltige Herausforderung zu. Da halte ich mich an die alte amerikanische Lebensweisheit: If it isn't broke, don't fix it. Diesmal zugunsten von Eidgenössischer Kunstkommission und Bundesamt für Kultur.

Jedenfalls muss dieser ganze Komplex vertieft diskutiert werden.

Kunst und Musik - kein Kulturkrieg
Der Schreibende hat es im Kunstbrief (2/2009) als 'bizarr' bezeichnet, dass
im spartenübergreifenden Kulturförderungsgesetz ganz zuletzt ein Einzelvorstoss doch noch einen Spartenartikel hinein drückte:
Der Bund fördert...die musikalische Ausbildung (Art. 10 a, Kulturförderungsgesetz). Zudem ist bereits eine Verfassungsinitiative 'jugend+musik' zustande gekommen. Und die Kunstausbildung? Unerwähnt! Das neue Radio- und Fernsehgesetz nennt die visuelle Kunst nicht – wohl aber die Zusammenarbeit mit der Musik-, Film- und Literaturszene.
Nach empörten Reaktionen aus der Musikszene habe ich Isabelle Mili, neben der ich in der 'Table Ronde' der Kulturorganisationen sitze, eine Gegendarstellung offeriert. Hier ist sie:
    

Vous avez dit «bizarre» ?
Dans l'édition de mars du «Kunstbrief», Peter Studer qualifiait de «bizarres» certains soubresauts survenus lors de l'examen de la Loi sur l'Encouragement de la Culture (LEC) au Conseil National. Et parmi ceux-ci l'introduction, grâce à la Conseillère nationale Susanne Leutenegger-Oberholzer, de la formation musicale dans la LEC. Un succès qui laisse l'auteur dubitatif. «Et les arts plastiques ? L'histoire de l'art ?», s'interroge-t-il.
L'on ne s'étonnera pas que le point de vue de la présidente du Conseil Suisse de la Musique soit différent de celui de Peter Studer ! Si l'on peut, tous autant que nous sommes, souhaiter pour les jeunes une formation aux arts, il y a toutefois de sérieuses raisons de vouloir inscrire la formation musicale dans les objectifs culturels de notre beau pays.
Quelle discipline artistique réunit un million de PRATICIENS organisés en associations en Suisse ? Aucune, à ma connaissance. Pourtant, la formation musicale dispensée en Suisse est disparate. Les hasards du lieu de naissance et de domicile jouent actuellement un rôle décisif, qu'il s'agisse de l'existence d'horaires aménagés à l'école obligatoire, de la présence de cursus différenciés pour les élèves talentueux ou tout simplement de l'offre et du temps de cours de musique. N'est-ce pas cela qui est «bizarre» ?

Isabelle Mili, Présidente du Conseil Suisse de la Musique

2. Aus unseren Sektionen

Jubiläum der thurgauischen Kunstgesellschaft
Wir gratulieren der thurgauischen Kunstgesellschaft zum 75-Jahre-Jubiläum. Das attraktive Jubiläumsprogramm finden Sie hier: Programm Jubiläumsveranstaltungen

3. Aktuelles - Actualités

Internationaler Museumstag am 17. Mai 2009
Uns erreicht ein familien-idealer Aufruf aus dem Aargau. Zunächst der aufwändige vierseitige Prospekt mit einer langen Liste offener Museen samt Spezialführungen (www.museumstag.ch), sodann eine besondere computer-angepasste Art der Kunstvermittlung im Kunsthaus Aarau für "Wissensdurstige und Experimentierfreudige jeden Alters": www.kunst-klick.ch

Wanderziel Kunst: Ein- und Aussichten – Projekt in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Alpenclub
Die SAC Kulturkommission führt 2009 in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Kunstverein die 24. SAC Kunstausstellung unter dem Titel "Wanderziel Kunst: Ein- und Aussichten" durch. Andreas Fiedler ist Kurator der Ausstellung, die dezentral in allen vier Sprachregionen der Schweiz in und um 5 SAC-Hütten durchgeführt wird. Mehr dazu: Wanderziel-Kunst-Ein-und-Aussichten.

But de randonnée: vue imprenable sur l'art en collaboration avec le Club Alpin Suisse
La commission de la culture CAS réalise la 24ème exposition d'art en 2009 sous le nom de "But de randonnée: vue imprenable sur l'Art" et en collaboration avec la société Suisse des beaux-arts. Andreas Fiedler a été nommé en tant que curateur de cette exposition dont la réalisation est décentralisée dans les quatre régions linguistiques de Suisse. 5 cabanes CAS accueilleront l'exposition. Plus d'informations: But-de-randonnee-vue-imprenable sur l'art.

NIKE -  Kultur meldet:
Am 12./13. 9. 2009 findet der 16. Europäische Tag des Denkmals Am Wasser statt. Er ist den Denkmälern am Wasser gewidmet.

 

Delegiertenversammlung 2009 am  16. Mai 2009 in Luzern
Die Unterlagen zur Delegiertenversammlung 2009 und der Jahresbericht 2009 stehen hier zum Download bereit.

Assemblée des délégués 2009 le 16 mai 2008 à Lucerne
Les documents pour l'Assemblée des délégués 2009 et le rapport annuel de la Société Suisse des Beaux-Arts peuvent être téléchargé ici.

http://www.kunstverein.ch/aktuell.html

Mit freundlichen Grüssen

Ihr Peter Studer,
Präsident des Schweizerischen Kunstvereins
praesident(at)kunstverein.ch
 

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