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Schweizerischer Kunstverein
Kunstbrief 2/2011 - Juni 2011

 

Nachrichten von Peter Studer, Präsident des Schweizer Kunstvereins – 30. Juni 2011

1. Kunst- und Kulturpolitik

Ständerat: Gibt es nichts Unwichtigeres als Kulturförderung?

Ein Hoffnungsschimmer im Frühjahr. Das Ende 2009 vom Parlament verabschiedete Eidgenössische Kulturförderungsgesetz trug den Makel einer "Erbsünde". Es bürdete dem Bundesamt für Kultur und der Kulturstiftung Pro Helvetia neue Aufgaben auf, aber es sprach nicht die hiezu erforderlichen Mittel. Denn die Bundesräte Pascal Couchepin und Didier Burkhalter hatten versprochen, das Gesetz koste keinen Franken mehr als der bisherige wenig koordinierte Zustand. Die Konsequenz, die sich im ersten Entwurf der nun alle vier Jahre fälligen Kulturbotschaft 2012 – 2015 niederschlug: Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Besonders die visuellen Künste würden für ihre bisherigen Erfolge durch Mittelkürzungen von bis zu einem Drittel recht eigentlich "bestraft", rechnete der Dachverband der Kulturschaffenden "Suisseculture" aus.

Über die Betragsgrösse des Opfers für visuelle Künste sind sich Suisseculture, Pro Helvetia, Eidgenössische Kunstkommission und Bundesamt für Kultur nicht ganz einig, wie sich jetzt herausstellte. Aber das Grundanliegen leuchtete der vorberatenden Kommission des Ständerats ein. Am 18. Mai beantragte sie ihrem Rat eine Aufstockung der 638 Millionen Franken um 50,5 Millionen Franken für die nächsten 4 Jahre. Das war ungefähr die Hälfte dessen, was die Kulturverbände als unerlässlich bezeichneten – aber immerhin das. Man rechnete mit einer schlanken Passage im Ständerat.

Denkmalpflege und Filmförderung fanden in der Vorberatenden Kommission und am 16. Juni auch im Ratsplenum Gnade. Die Pro Helvetia hingegen scheiterte zuletzt im Gesamtrat. Sie hatte, verteilt auf die vier Jahre, 8,6 Millionen mehr erbeten, um die ihr übertragenen neuen Aufgaben zu finanzieren: so etwa die Nachwuchsförderung oder die europaweit hohen Standards der Fotografieerfassung. Profitiert hätten auch einzelne Ausstellungsprojekte von kleinen Kunsthäusern und Kunsträumen, die in der Schweiz eine einzigartige Dichte erreichen und viel zur "Demokratisierung" des Kunstbetriebs beigetragen haben - ein besonderes Anliegen des Schweizer Kunstvereins.

Erschreckend war der Verlauf der eintägigen Ständeratsdebatte, den man im Internet jederzeit nachlesen kann: Wortprotokoll des Ständerats - Sommersession 2011 - Sitzung vom 15.06.2011. Nach einer sorgfältigen Einführung durch Mitglieder der vorberatenden Kommission meldete sich bald einmal der Glarner Finanzpolitiker Pankraz Freitag (FDP Glarus):" Ihre Kommission hat allzu grosszügige Beschlussanträge vertreten…Mir ist das Ganze vorgekommen wie ein Wunschkonzert". Wenn dann auch noch die Bildung wieder oberste Priorität erhalten sollte, dann geht es für diesen Staat nicht mehr auf. Peter Bieri (CVP Zug) hieb in dieselbe Kerbe. Wie Kollege Freitag bekannte er sich zwar zu Erhöhungen für die Denkmalpflege; alles andere wolle er ablehnen. Die mutlose Kommission habe "Reklamierer" bevorzugt. "Bescheidene" müssten sich jetzt "geprellt" fühlen. Auch Paul Niederberger (CVP NW) will jetzt endlich mal "auf die Bremse stehen".

Felix Gutzwiller (FDP ZH) widersprach dezidiert. Die Kreativwirtschaft warte mit höherer Bruttowertschöpfung auf als Uhren- und Chemieindustrie. Im Bereich der Fotografie und überhaupt der visuellen Möglichkeiten könne die Schweiz mit klugen Förderimpulsen noch zulegen. Zuletzt kam wie immer Kulturminister Didier Burkhalter zu Wort. Dem gut begründeten Antrag zugunsten der Pro Helvetia versetzte der Kulturminister, an Gutzwiller gewandt, jedoch den Todesstoss: Die Pro Helvetia solle [endlich] Prioritäten setzen. Wolle sie mehr für die Fotoinstitutionen einsetzen, müsse sie halt anderswo sparen.

Zur Debatte ist noch nachzutragen, dass Martin Senti in der NZZ vom 16. Juni vorsichtig den Verdacht äusserte, beim einen oder andern Ratsmitglied sei etwas verwechselt worden. Dem Pro Helvetia-Teilkapitel stimmte der Ständerat nämlich knapp zu; nachher, für das Überspringen der "Ausgabenbremse" bei neuen Ausgaben, fehlte es dann am notwendigen qualifizierten Mehr. In der NZZ am Sonntag vom 19. Juni las Kunstredaktor Gerhard Mack dem Ständerat und dem federführenden Bundesamt für Kultur die Leviten: Weil sie "dem besten Pferd im Stall [helvetischer Kulturförderung], nämlich der visuellen Kunst, die Mittel so massiv zusammenstrichen. – Die vorbereitende Kommission des Nationalrats wird Mitte August ebenfalls ein Hearing durchführen und dann die Vorlage als Zweitrat behandeln. Ich werde mich vor der Kommission äussern können. Ob's der Nationalrat noch richten kann? Am 1. Januar 2012 sollte das neue Modell greifen. Er müsste zuerst eine Differenz zum Ständerat schaffen und dann darauf bestehen.

Jetzt schon drängt sich die Frage auf, was da eigentlich geschehen ist. Meine von Beobachtern geteilte Vermutung: Unter den Sparaposteln stehen etliche den Kantonsregierungen nahe, die bloss den Denkmalsschutz ins Trockene bringen wollten, um sich das Odium kollabierender Kulturdenkmäler auf ihrem Territorium zu ersparen. Müssen sie dafür ausgerechnet ein europaweit beachtetes Kulturförderungsgesetz hungern lassen, das für die Pro Helvetia bloss einen den Mehraufgaben angemessenen Mehraufwand von jährlich 2,2 Millionen Franken nachforderte?

Das mutet nur noch peinlich an. Vergleiche: In derselben Session führte ein in aller Eile ausgehecktes Zweckbündnis zwischen Verteidigungsminister Ueli Maurer und bürgerlichen Militärpolitikern zu einem teuren Grundsatzentscheid: Entgegen den Anträgen des Gesamtbundesrats seien die Armeebestände von 80’000 auf 100’000 Mann zu erhöhen (Mehrkosten 700 Millionen Franken, obwohl wir doch von Freunden umzingelt sind). Und es sei die Finanzierung für 22 neue Kampfjets vorzubereiten (Mehrkosten bis zu 5 Milliarden Franken). Ein paar Wochen früher hatte derselbe Ständerat wegen unverhoffter Mehreinnahmen des Bundes die Rahmenkredite für die Landwirtschaft flugs um 60 Millionen angehoben. Beides ohne grosse Diskussion.

Es wird mit krass unterschiedlichen Ellen gemessen.

2. Aus den Sektionen

Wiedereintritt der Società Ticinese di belle arti
An der Delegiertenversammlung 2011 wurde das Wiedereintrittsgesuch der Società Ticinese di belle arti einstimmig genehmigt. Wir heissen die Società Ticinese di belle arti  als 35. Sektion des Schweizer Kunstvereins herzlich willkommen.
Mehr zur Società Ticinese di belle arti ...

19. Triennale für keramische Kunst in Spiez
Vom 16. Juli bis 7. August 2011 findet  in Spiez die  19. Triennale für keramische Kunst  statt. Ausstellungseröffnung ist am 15. Juli 2011.
Mehr dazu ...

Verschiedenes
Manuela Jost ist die neue Präsidentin der Kunstgesellschaft Luzern, Lorenz Bühler ist neuer Präsident des Kunstvereins St. Gallen und Laurent Golay ist neuer Präsident der Société Vaudoise des Beaux-Arts in Lausanne.
Fanny Fetzer (bisher Kunsthaus Langenthal) wird das Kunstmuseum Luzern leiten und Stephan Kunz (bisher Aarauer Kunsthaus) übernimmt das Bündner Kunstmuseum in Chur.

3. Hinweise / Termine

Die Geschäftsstelle des Schweizer Kunstvereins und die Redaktion des Kunstbulletins ziehen um. Unsere neue Adresse ab 1. August 2011:
Neufrankengasse 4, Postfach 2272, 8026 Zürich


Résumé de la lettre d'art du président (Kunstbrief) en français

Le résumé de la lettre du président (Kunstbrief) en français sera disponible un peu plus tard que la version originale. Elle sera effectuée par l’un de nos membres de Suisse romande et mise aimablement à notre disposition pour le site Internet de la Société Suisse des Beaux-Arts.

Veuillez lire ici le résumé de la lettre du président (Kunstbrief 1/2011) en français.


TANDEM in der Zentralschweiz – Vernissage am 2. September 2011

Das Projekt TANDEM unter Projektleitung von Kuratorin Esther Maria Jungo und dem Präsidenten des Schweizer Kunstvereins ist auf bestem Wege. TANDEM ist auf Initiative des Schweizer Kunstvereins und der Hochschule Luzern –  Design & Kunst in Zusammenarbeit mit 4 Innerschweizer Institutionen (Nidwaldner Museum in Stans, Museum Bruder Klaus in Sachseln, Haus für Kunst Uri in Altdorf und Sankturbanhof in Sursee) entstanden. Jede Institution fokussiert auf einen anderen Themenbereich oder Künstler. Zwei mobile Vermittlungsprojekte widmen sich der alltäglichen Notwendigkeit von Kunst.
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Die Schweizer Koalition für die kulturelle Vielfalt lädt ein: / La Coalition suisse pour la diversité culturelle invite:

Die Schweizer Koalition für die kulturelle Vielfalt lädt ein zum Forum «Kulturelle Vielfalt für nachhaltige Entwicklung» am 26. August 2011, 9.00 – 17.15h, im Theaterhaus Gessnerallee, Zürich.
Hier finden sie den Anmeldetalon

La Coalition suisse pour la diversité culturelle invite au forum «Diversité culturelle pour un développement durable» le 26 août 2011, 9.00 – 17.15h, au Théâtre Gessnerallee, Zurich.
Veuillez trouver ici le module d'inscription

Mit freundlichen Grüssen

Ihr Peter Studer,
Präsident des Schweizer Kunstvereins
praesident(at)kunstverein.ch
 

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