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Schweizerischer Kunstverein
Kunstbrief 1/2010 - Februar 2010

 

Nachrichten von Peter Studer, Präsident des Schweizer Kunstvereins – 12. Februar 2010

1. Kulturpolitik - Wie weiter mit dem neuen Kulturförderungsgesetz?

Einige Stunden vor der Verabschiedung des Kulturförderungsgesetzes KFG (Loi sur l' encouragement de la culture LEC) habe ich das Resultat aus meiner Sicht kommentiert: "Stark gedämpftes Hurra". Der Bund verantwortet zwar neben Städte und Kantonen nur 20 % aller Kulturausgaben der öffentlichen Hand; aber ihm kommt eine überregionale Steuerungsfunktion zu. Deshalb begrüsst der Kunstverein dieses erste nationale Kulturgesetz – trotz punktueller Kritik.

Zweierlei ist nachzuführen.


1. 1. Endgültige Form des Gesetzes

Die von mir am 10. Dezember 2009 noch verwendete Nummerierung der Gesetzesartikel ist die der parlamentarischen Entwürfe 2007/2009. Inzwischen hat die Redaktionskommission eine definitive Nummerierung festgelegt, die fortan zu verwenden ist. Auf deutsch und französisch über diese Links herunter zu laden:

Letzte Version Kulturfördergesetz (deutsch)

Dernière version Loi sur l'engouragement de la culture (en Français)

 

1. 2. Wie geht es jetzt weiter?

Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamts für Kultur BAK / OFC, erklärt, das Gesetz KFG / LEC werde "voraussichtlich auf den 1. Januar 2012 in Kraft treten". Jetzt läuft noch die dreimonatige Referendumsfrist. Es sind keine Geräusche wahrzunehmen, die auf ein Referendum hindeuten.

Das erste Zwischenziel ist die Kulturbotschaft. Das Gesetz (Art. 27 KFG/LEC) verlangt sie alle vier Jahre. Neben dem KFG/LEC laufen ältere Gesetze weiter: Nationalbibliotheksgesetz 1924, Museums- und Sammlungsgesetz (der Bundeseinrichtungen) 2009, Förderung rätoromanischer und italienischer Sprache 1996, Filmgesetz 2001, Kulturgütertransfergesetz 2003, Natur- und Heimatschutzgesetz 1966. Die Kulturbotschaft enthält aber auch deren Kosten. Auf Direktor Jauslins Schulter lastet immer noch das unselige Versprechen des früheren Innen- und Kulturministers Couchepin, das neue Gesetz werde den bisherigen Kulturkostenrahmen des Bundes von rund 230 Millionen Franken nicht erhöhen. (Ähnliche Versprechen in den Bereichen Strasse, Bahn, Verteidigung, Soziales, Landwirtschaft gibt es natürlich nicht; aber die Kultur hat eben schwache Lobbys).

Vor Erlass der Kulturbotschaftsentwürfe zuhanden des Parlaments "hört der Bund Kantone, Gemeinden und interessierte Kreise vorgängig an". Zu letzteren zählt sich auch der Schweizer Kunstverein. Er wird sich dafür einsetzen, dass die rund um die Gesetzesarbeit entstandene "Table Ronde" der Kulturorganisationen sich als nichtamtlicher "Kulturrat" konstituiert, der in vielen – nicht allen – Problemfeldern bereits gemeinsame Positionen erarbeitet hat (Koordination: Dachverband Suisseculture).

 

1. 3. Die Schwerpunkte des Kunstvereinspräsidenten

Da und dort wird der Kunstverein im Namen seiner 32 Sektionen und 46'000 Mitglieder klar eigene Positionen vertreten und sich mit Partnern von Fall zu Fall absprechen:

 - Autonomie der Pro Helvetia, aber Nachwuchsförderung und deshalb Weiterbestand der erfolgreichen Eidgenössischen Kunstkommission im bisherigen Rahmen der Preise "Swiss Art Awards". Pro Helvetia wertet die "Awards" mit ihren 800'000 Franken als fette "Nachwuchsförderung" (vom Gesetz ihr zugewiesen, Art. 23 KFG/LEC); das Bundesamt für Kultur als "Preis" (vom Gesetz ihm zugewiesen, Art. 23 KFG/LEC). Bundesrat Burkhalter wird entscheiden.


 - Entlastung der Kunstmuseen im Versicherungsbereich mit seiner lähmenden Prämienlast Teilerfolg im neuen Gesetz Art. 10 KFG/LEC: Der Bund kann Museen bei der Wahrung des kulturellen Erbes unterstützen, insbesondere durch Finanzhilfen. (Gehören Versicherungsprämien für wertvolle Dauersammlungen dazu?) Er kann bei gesamtschweizerisch bedeutenden Ausstelllungen an die Versicherungsprämien für Leihgaben beitragen (Hier explizit!).

 - Prüfung steuerlicher Begünstigung von Schenkungen an Kunstinstitutionen

 - Ablehnung des jetzigen EU-inspirierten bürokratischen Modells für ein Folgerecht im Kunstbereich. Auch im Urheberrecht wird der Kunstverein Arm in Arm mit Kunsthäusern, Galerien, Kunstzeitschriften und Kunstverlegern eine Flexibilisierung der starren Reproduktionskostenpraxis der Pro Litteris anstreben – was ja auch im Interesse des Künstlermarketings läge.

 - Beim Kampf um die öffentliche Aufmerksamkeit kommt die visuelle Kunst – anders als beispielsweise die Musik – bisher zu kurz, wie ein Blick in die neueren Gesetze zeigt (z. B. Radio- und Fernsehgesetz). Kulturressorts der Massenmedien schrumpfen; die Rezensionsdichte öffentlicher und galeristischer Kunstausstellungen nimmt ab; Berichterstattung verläuft weitgehend als Kürzestinformation (Kulturtipps mit Sternchen). Was ist zu tun, um angesichts des Marktversagens das Niveau der Analyse und Auseinandersetzung zu retten? Hier gilt es, innovativ zu sein und auch staatliche Aktivitäten zu fordern.

 


1. 4. Der Fahrplan des Bundesamts für Kultur BAK / OFC

Geplant ist keine Ausführungsverordnung, sondern ein Netzwerk von Förderrichtlinien, die dann Kriterien für die Zahlen der Kulturbotschaft formulieren.

Januar bis August 2010: Kulturbotschaft des Bundes wird als Entwurf erarbeitet.
Februar 2010: BAK-Direktor Jauslin im Gespräch mit Bundesrat Burkhalter
März 2010: Öffentliche Beschreibung des Vorgehens (Medienkonferenz?)
August bis Ende Oktober 2010: Anhörung von Kantonen, Städten, Kulturorganisationen

1. Oktober 2010: Nationale Kulturkonferenz des Bundes, der Kantone, der Städte über die Kulturbotschaft

Oktober 2010: Nationale Kulturkonferenz mit privaten Players der Kulturszene (mündliche Ergänzung von Direktor Jauslin gegenüber dem Schreibenden). Ich halte diese Zweiteilung – auch im Interesse einer breiten Diskussion - für problematisch. P. Studer

November 2010 – Januar 2011: Überarbeitung der Kulturbotschaft im Lichte der Anhörung. Jauslin: "Partner sind Bundesamt für Kultur, ProHelvetia, Nationalbibliothek, Nationalmuseum, Aussenministerium". Können Kantone, Städte und private Organisationen diese Überarbeitung noch kommentieren? Hoffentlich! (So geschehen z. B. bei der Verordnung zum Radio- und Fernsehgesetz  P. Studer)

Februar 2011: Bundesrat verabschiedet Kulturbotschaft zuhanden des Parlaments.

1. Januar 2012: Kulturförderungsgesetz tritt in Kraft, Budgetperiode 1 laut Gesetz beginnt.

2. Hinweise

Zweiter Preis für Vermittlung visueller Kunst in der Schweiz - Preisfeier vom 10. Januar 2010 im Perla Mode in Zürich
Der Schweizer Kunstverein und visarte.schweiz haben am 10. Januar 2010 die Beiträge an Esther Eppsteins Message Salon an der Zürcher Langstrasse und Chri Frautschis Lokal-int in Biel überreicht. Mehr dazu...

Aargauischer Kunstverein - Start-Veranstaltung Junior-Kunstverein
Der Aargauische Kunstverein und die Kunstvermittlung des Aargauer Kunsthauses lancieren im Rahmen des 150-Jahre-Jubiläums des Aargauischen Kunstvereins den schweizweit ersten Junior-Kunstverein für junge Kunstfans von 0-20 Jahren. Am Samstag, 9. Januar 2010 fand die Startveranstaltung statt, an der 260 Personen – davon rund 140 Kinder und Jugendliche – teilnahmen. Mehr dazu... 

Neuer Direktor beim Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft in Zürich
Das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaft, mit dem der Schweizer Kunstverein letztes Jahr ein Symposium durchführte – Museen und Privatsammlungen - , erhält per 1. September einen neuen Direktor: Dr. Roger Fayet, der als Leiter des Museums Allerheiligen Schaffhausen in engem Kontakt mit dem dortigen Kunstverein steht, folgt auf den pensionierten Dr. Hans-Jörg Heusser. Wir hoffen auf gute Zusammenarbeit mit Direktor Fayet bei der Umsetzung unseres Vorschlags eines Buchs Sammeln in der Schweiz Band II, Gegenwartskunst und wünschen viel Erfolg!

Begleitaktivität zur ART Basel: Seminar Recht aktuell: Kunst und Recht an der juristischen Fakultät der Universität Basel am Freitag, 18. Juni 2010 9.15-17.15 Uhr
Es referieren unter anderen: Dr. P. Mosimann, Dr. A. Raschèr, Prof. M.A. Renold, Prof. Müller-Chen, Dr. B. Schönenberger und Prof. P. Raue. Kosten: CHF 580.-, Studenten CHF 120.- Ort: Juristische Fakultät der Universität Basel, Peter Merian-Weg 8, Pro Iure Auditorium
Anmeldung: Recht-aktuell-ius@unibas.ch

3. Termine

Bitte reservieren Sie diese Daten in Ihrer Agenda / Nous vous prions de réserver ces dates dans votre agenda:

Präsidentenkonferenz 2010
am Dienstag, 1. Juni 2010 um 17.15 Uhr im Kunstmuseum Olten – Die Einladung folgt

Conférence des présidents 2010
le mardi 1er juin 2010 à 17.15h au Kunstmuseum d'Olten - une invitation suivera

Delegiertenversammlung 2010
Samstag, 11. September 2010 in Aarau

Assemblée des délégués 2010
Samedi, 11 septembre 2010 à Aarau

Mit freundlichen Grüssen

Ihr Peter Studer,
Präsident des Schweizer Kunstvereins
praesident(at)kunstverein.ch
 

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Kulturaustausch - vertritt 32 Sektionen mit rund 46'000 Mitgliedern und 1 institutionelles Mitglied
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