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Schweizerischer Kunstverein
Kunstbrief 1/2008 - Jan. 2008

 

Nachrichten von Peter Studer, Präsident des Schweizerischen Kunstvereins - 21. Januar 2008

 

Preis für die Vermittlung visueller Kunst in der Schweiz

Das Projekt Kunsthaus Zug mobil ist am 12. Januar 2008 als erster Träger des Preises für Vermittlung visueller Kunst in einer Abendzeremonie ausgezeichnet worden – im Kunsthaus Zug.
Visarte, der Berufsverband visueller Künstlerinnen und Künstler, und der Schweizerische Kunstverein, Dachverband lokaler Sektionen der Kunstinteressierten, haben diesen Preis geschaffen; eine anonym bleibende Gönnerin hat die Preissumme von 10'000 Franken gestiftet. Eine Jury aus Künstlern und Kunstvermittlern sprach den Preis 2008 dem Kunsthaus Zug für seine erfolgreiche Einrichtung eines Kunstmobils zu. Dabei handelt es sich um einen reisenden Container mit qualitativ wertvollen Wechselausstellungen. Bereits sind mit dem Zuger Kunstmobil Ausstellungsorte in der ganzen Schweiz bespielt worden.

Wir drucken hier die von Christian Brändle (Direktor des Museums für Gestaltung, Zürich) gehaltene Laudatio ab. Es folgen die Grussadressen von Heinrich Gartentor (Präsident visarte), Sonja Kuhn (Geschäftsführerin visarte), Peter Studer (Präsident Schweizerischer Kunstverein) und Claudia Jolles (Chefredaktorin Kunst-Bulletin, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Kunstvereins).

Laudatio für das Projekt «Kunsthaus Zug mobil» von Christian Brändle, Direktor des Museums für Gestaltung, Zürich

Meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Matthias Haldemann
Zum ersten Mal vergeben die visarte.schweiz und der Schweizerische Kunstverein einen Preis für die Vermittlung visueller Kunst. Vermittlung ist ja eine der Hauptaufgaben der Museen und davon gibt es in unserer Schweiz doch eine ganze Menge: Über 900 Museen zählt unser Land und natürlich nicht alle segeln auf dem weiten Ozean der visuellen Kunst. Aber unzählige Häuser haben sich die Vermittlung gross auf die Flagge geschrieben, denn Vermittlungsarbeit gehört nun Mal zu den Kernaufgaben musealer Tätigkeit.

Wie gesagt: Die Anzahl aber eben auch die Bandbreite und insbesondere auch die Grösse dieser Museen variiert enorm. Das stattliche Kunsthaus Zürich, sozusagen der Luxusdampfer der Premiumklasse dieser Museen, steht mit seinen 7410m2 zusammen mit dem Kunstmuseum Basel an der Spitze, zumindest flächenmässig. Im Mittelfeld dieser Skala tummeln sich mittelgrosse Schiffe, viele kleinere Häuser die zum Teil ganz erstaunliche Arbeit leisten, denken wir zum Beispiel an Aarau, Glarus, Zug oder Thun. Und dann, ganz am Ende dieser Skala der Grössenverhältnisse liegt das Kunsthaus Zug Mobil, das mit seinen 30,5 m2 meines Wissens das kleinste aller Museen der Schweiz ist. Natürlich sinkt mit der Grösse des Hauses –etwas global gesprochen – auch die Grösse der Budgets und die Möglichkeiten der Vermittlungsarbeit.

Was also tun? Wie kann sich ein so kleines Haus in einem doch einigermassen heiss umkämpften Umfeld behaupten? Die Lösung dazu hat das Kunsthaus Zug in den letzten 6 Jahren kontinuierlich aufgebaut. Im Gegensatz zu den etablierten und grossen Kunsthäusern die bisweilen etwas behäbig vor sich hintuckern, gleicht das Kunsthaus Zug mobil einem «Zodiac-Schnellboot», dass unerwartet aus den Mangroven hervorschnellt und sich in bester Guerillatechnik sein Terrain erobert: Der Container des Kunsthaus Zug mobil tritt eigentlich immer dort auf, wo man ihn nicht erwarten würde. Im Dorfzentrum von Steinhausen, hinter dem Bahnhof Rotkreuz, plötzlich im Hof des Museum für Gestaltung Zürich aber eben auch in der Abgeschiedenheit des Klosters Schönthal bei Langenbruck im Baselbiet.

Dies ist sicherlich eine der primären Qualitäten dieses Ausstellungsraumes. Seine Mobilität, seine Agilität. Stellen Sie sich vor, dieser Container wäre seit Jahren fix installiert – irgendwo in der Schweiz aufgestellt und ausgestattet mit allen behördlichen Bewilligungen und amtlichem Segen. Ein Schauerszenario, dass mit grösster Wahrscheinlichkeit niemand ernsthaft interessieren würde.

Ganz anders verhält es sich nun aber mit unserem ersten Preisträger. Das Kunsthaus Zug mobil bietet stetig unerwartete Inhalte an eigentlich unmöglichen Orten.  Und deswegen fällt es auf. Und damit ist ein erster wichtiger Schritt in der Vermittlungsarbeit geleistet. 

Dieser Container ist zwar klein, wird aber abhängig vom örtlichen Kontext, am Waldrand beispielsweise, als gross, mindestens aber als fremd wahrgenommen. Und dies zieht nun alle an. Das Kunsthaus Zug mobil erreicht mit dieser Technik ein Publikum, dass sich normalerweise zu grossen Teilen die «visuelle Kunst» vom Leibe zu halten weiss und meist einen Bogen um die einschlägigen Ausstellungsorte macht.

Also hat das Team des Kunsthaus Zug diese Logik umgedreht und erwartet nicht, dass die Leute zum Kunsthaus kommen, sondern das Kunsthaus geht zu ihnen. Und dies scheint mir ein zweiter wichtiger Punkt der Vermittlungsarbeit zu sein: Das Kunsthaus Zug mobil baut Brücken und macht einem den Besuch sehr einfach! Konsequent gratis und gleich vor der Haustüre, wer kann da widerstehen?

Sind die Gäste erstmal im Ausstellungsraum drin kommt nun der dritte und wichtigste Pfeiler der Vermittlungsarbeit zum tragen: Die Inhalte. Und auch da leistet das Kunsthaus Zug hervorragende Arbeit. Denn im mobilen Ausstellungsraum sind kleine aber feine Ausstellungen zu sehen, die oftmals sehr spezifisch auf den Ausstellungsort, und den temporären Umraum, ausgelegt sind und die immer einen besonders klugen Umgang mit dem an sich knorrigen und extravagant proportionierten Ausstellungsraum zeigen.

Diese Art von Kunstvermittlung öffnet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen neuen Weg zur Kunst und regt zu einem vielfältigen Dialog mit den gezeigten Arbeiten an. Dabei wird die Wahrnehmungsfähigkeit des Einzelnen gefördert und geistige, emotionale und schöpferische Erfahrungen werden ermöglicht

All diese Ingredienzien haben nun die Geschichte des Kunsthaus Zug mobil zu einer veritablen Erfolgsstory werden lassen, eine Geschichte die ich Ihnen in knappster Form zusammengefasst gerne kurz erläutern will:

Mit der Schenkung der phantastischen Sammlung Kamm zur Wiener Moderne musste das Kunsthaus Zug einen Weg finden, wie es seine 10 Ausstellungsräume erweitern könnte. Die Studie einer jungen Architektengruppe aus Düsseldorf mit dem klingenden Namen «Gruppe Baukunst Rheinflügel» förderte die Idee einer Erweiterung in den öffentlichen Raum zutage. Dass diese Erweiterung in der doch etwas ungewohnten Form eines mobilen Containers ermöglicht wurde ist der Vision und dem Mut der «Stiftung der Freunde Kunsthaus Zug» zu verdanken. Diese Stiftung nahm doch ein beträchtliches Risiko auf sich als sie 2002 diesen Container eröffnete. Auch der Stiftung sei an dieser Stelle gratuliert und gedankt! 

Die Finanzierung des Containers wurde über die ersten 5 Jahre abgeschrieben, wir befinden uns also seit einigen Tagen in der Phase der Zugaben. Bisher hat das «Kunsthaus Zug mobil» 23 mal «Halt» gemacht und jedes Mal ist eine neue, grosse Vermittlungsarbeit zu leisten: Denn, wie mir Matthias Haldemann  verraten hat, ist die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und deren Vorschriften und den Bewilligungsämtern fast aufwändiger als die inhaltliche Arbeit an der jeweiligen Ausstellung im Container.

Als nächster Standort ist doch übrigens in Singapore geplant, da ist es zwar verboten auf den Boden zu spucken aber einen Container aufstellen das darf man offensichtlich, wenn man geschickt vermittelt zumindest.
Eine Reise nach Singapore! Zum ersten Mal wird der Container also seiner Ursprünglichen Funktion entsprechend mit einem Hochseefrachter verschifft, wird über Rotterdam hinab zum Kap der Guten Hoffnung tuckern, zieht vorbei an Madagaskar, umkreist von krähenden Möwen und umgeben von hunderten anderer Container die auf der Hinfahrt zu einem rechten Teil Leer sind. Wir wünschen dem Container eine gute Reise und freuen uns auf seine Rückkehr! 

Mir bleibt es dem Kunsthaus Zug und seinem Direktor Matthias Haldemann zu gratulieren, für diesen Preis aber auch ansonsten für seine Vermittlungsarbeit. Denn das Programm dieses Hauses strahlt weit über die Kantonsgrenzen hinaus und gehört zum besten der Schweizer Kunstlandschaft.

Ich bitte nun Matthias Haldemann zur Preisübergabe zu mir, ich darf Ihm symbolisch die Arbeit  «Wellenbrecher» von Daniel Ruggiero aus Lausanne übergeben. Herzliche Gratulation!

Kurzansprache von Heinrich Gartentor, Präsident visarte.schweiz

Liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde, hallo Zug

Den Preis, den wir heute vergeben, haben wir zwei Damen zu verdanken. Ihr Ziel war bereis zur Jahrtausendwende die Schaffung eines «Preises für gesellschafts-vernetzende Kunstvermittlung». Ein Preis der die Menschen aus den verschiedensten sozialen Zusammenhängen anspricht.
Die beiden Damen, denen wir den Preis zu verdanken haben, sind die beiden Berner Künstlerinnen Verena Welten und Franziska Maria Beck. Verena Welten ist die Initiantin des Preises und zusammen mit Franziska Maria Beck, steckten sie viel Zeit und Herzblut in dessen Entwicklung. Der Preis hiess damals noch K.I.S.-Preis. K.I.S. - Kunst im Sozio-Kontext. Da die beiden Frauen Mitglieder sind von visarte, ersuchten sie sich auch die visarte um die Trägerschaft.
Die visarte, deren Präsident ich bin, ist der Berufsverband für visuelle Kunst und hat sehr abgekürzt ein Ziel:
- Wir halten den Finger drauf, wenn die Achtung vor den Künstlerinnen und Künstlern als staatstragender Teil der Gesellschaft gefährdet ist.
- Wir halten den Finger drauf, wenn die Wertschätzung der künstlerischen Arbeit gefährdet ist.  
- Wir halten den Finger drauf, wenn die Verteidigung der verfassungsmässig garantierten künstlerischen Freiheit gefährdet ist.
- Wir erheben die Stimme, wenn man der Kunst an den Kragen gehen will.
Wir müssen die Stimme momentan ziemlich oft erheben, denn Politik und Ämter wollen uns permanent an den Kragen. – Wie sie sicher auch schon festgestellt haben, ist die Kunst in der Politik bloss noch eine Finanzvorlage – eine Finanzvorlage mit Sparpotential.
Die beiden Frauen veröffentlichten 2003 einen Comic, der den Preis propagiert und zur finanziellen Unterstützung aufruft.  Und das Kunstmuseum Bern zeigte in seinem Jubiläumsjahr 2004 (das Kunstmuseum feierte seinen 125. Geburtstag) in der Reihe «Bern/Gegenwart» eine dreizehnteilige Installation der Beiden.  Eine Installation, welche den Preis thematisierte. Die Leidenschaft der beiden Frauen für ihren Preis wurde aber noch lange nicht erwidert. Schliesslich gelang es meinem Vorgänger als visarte-Präsident, Jean-Pierre Gerber, einen Mäzen zu finden, den der damalige Präsident des Schweizerischen Kunstvereines, Rainer Peikert, zufällig spazierend traf und ihn von der Qualität des Projektes überzeugte.
Einen Mäzen, der seinen Namen nicht genannt haben will – eine wohltuende Seltenheit im heutigen Kunstbetrieb.
Heute, acht Jahre nach Verena Weltens Geistesblitz können wir den ersten «Preis für die Vermittlung visueller Kunst in der Schweiz" verleihen. Es hat lange gedauert bis es soweit war.

Und übrigens: Die beiden Frauen sind Visionärinnen: Als gutes Beispiel für preiswürdige Kunstvermittlung erwähnten sie in ihrem Comic: Das Kunsthaus Zug mobil.
Kunstvermittlung ist für uns Künstlerinnen und Künstler von zentraler Bedeutung. Wir haben mit Leib und Seele Macherinnen und Macher zu sein. Wir haben dazu beizutragen, dass die Kulturgeschichte der Schweiz weiter geschrieben werden kann. Die Kunstvermittlung bringt dies dem Publikum nahe. Sie schafft Boden für uns. Im Namen der Künstlerschaft der Schweiz danke ich Verena Welten, Franziska Maria Beck, Jean-Pierre Gerber und Rainer Peikert für ihre Initiative.
Im Namen der Künstlerschaft der Schweiz danke ich dem Schweizerischen Kunstverein, dass sich bereit erklärt hat, den Preis mitzutragen, um ihm noch mehr Gewicht zu verleihen.
Im Namen der Schweizer Künstlerschaft danke ich dem stillen Mäzen.
Und: Im Namen der Künstlerschaft der Schweiz gratuliere dem Team des Kunsthauses Zug für sein wegweisendes "Kunsthaus Zug Mobil". Lang möge es leben und überall geliebt soll es bleiben.

Kurzansprache von Sonja Kuhn, Geschäftsführerin visarte.schweiz

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger, sehr geehrte Damen und Herren

Das Thema meiner Rede «Das Verhältnis von KünstlerInnen zur Kunstvermittlung» hat innert Kürze nach dem ersten Enthusiasmus einer gewichtigen Realisierung Platz gemacht. Hier an meiner Stelle müssten Künstlerinnen und Künstler stehen und darüber sprechen, was sie von der Kunstvermittlung erwarten als unmittelbar Betroffene. Ich als Geschäftsführerin des Berufsverbandes der visuellen Kunst visarte bin da nur bedingt geeignet und setze mich über den ursprünglichen Zweck des Preises kaltblütig hinweg. Die Idee, die Verena Welten und Franziska Beck hatten, besticht. In einer Jury, in der für einmal die Künstlerinnen und Künstler die Mehrheit innehaben, wird der Fokus der Kriterien und Ansprüche auf die Kunstvermittlung verschoben. Oder doch nicht? Die Jury war sich nämlich erstaunlich einig. Gibt es also universelle Ansprüche sowohl von der Vermittlungsseite als auch der Urheberinnen und Urheber?

Die Kunstvermittlung der Schweizer Museen scheint heute oft die Stiefschwester der Marketingabteilung zu sein, die verzweifelt versucht, durch Museumspädagogik Kundenbindung zu bewirken, wie dies Migros und Coop mit Cumulus- und Supercard-Punkten tun. Die Kunstvermittlung droht an gewissen Orten vom Eventfieber erfasst worden zu sein, und da genau spüre ich auch den Unmut von Künstlerinnen und Künstlern. Die Angst, dass die Kunst nur mehr von ökonomischen Kriterien vereinnahmt wird und vor allem, dass auch die Museen und verwandte Institutionen dem Celebrity-Prinzip nachgeben, ist streckenweise berechtigt und ebenso verständlich. Die Entwicklung, die aber zur Wichtigkeit der Kunstvermittlung geführt hat, ist weitgehend marktunabhängig. Die künstlerische Moderne ging neue Wege des künstlerischen Ausdruckes und machte die erklärende Kunstvermittlung erst möglich. Die Vermittlung, besonders die mit einem edukativen Anspruch wurde zunehmend eine eigene, professionelle Sparte. Sie gewann an Bedeutung, je mehr die Ausstellungen selber als Kunstwerk inszeniert wurden. Die wichtigsten Aufgaben der Kunstvermittlung – Neugierde wecken, Verständnis und Auseinandersetzung vertiefen und neue Publikumsschichten gewinnen – all diese Aspekte haben pädagogische Ziele, womit die Kunstvermittlung zweckorientiert wird. Damit sind wir bei der Krux der Sache: Wird die Kunst zweckorientiert, wird sie instrumentalisiert und sei es für einen guten Zweck, die Sensibilisierung und die Erziehung des Publikums. Das muss bei Künstlerinnen und Künstlern Fragen aufwerfen und hat vielleicht zu neuen Kunstformen geführt: Thomas Hirschhorn hat mit seinem Projekt «Musée Précaire Albinet» in einem Pariser Vorort einige Aufgaben der Kunstvermittlung übernommen, die Kunstvermittler üblicherweise für sich beanspruchen. Die Öffnung der Kunst für ein nicht geneigtes Publikum und die Definition der sozialen Realität ist Kern der Vermittlung und wird wohl an Bedeutung zunehmen.

Das Kunsthaus mobil ist ein Glücksfall. Es erfüllt die hohen Ansprüche an die Kunstvermittlung glänzend, was die Einigkeit der Künstlerinnen und der Kunstvermittler in der Jury erklärt.

Abschliessen möchte ich mit einer persönlichen Anekdote. Ich hatte einst das Glück, mich in diesem Haus bei Sandra Winiger für die Kunstvermittlung vorzustellen. Gescheitert ist das Unterfangen an der Finanzierung. Umso mehr freue ich mich, heute hier zu sein und zu hoffen, dass der Beitrag dieses Preises einiges an Unmöglichem möglich machen wird. Und meine eigenen Bemühungen für die nächste Preisübergabe: An meiner Stelle wird in zwei Jahren eine Kunstschaffende reden.

Kurzansprache von Peter Studer, Präsident des Schweizerischen Kunstvereins

Liebe Anwesende

Vor einigen Wochen sass ich auf einem Podium in Aarau, wo über Kunstvermittlung debattiert wurde. Ein prominenter Kulturmanager meinte sarkastisch, plötzlich sei die Schweizer Szene von Kultur- und Kunstvermittlern bevölkert. Dabei sei Kunstvermittlung doch ein leerer Begriff, unter dem jeder etwas anderes – nämlich die Werbung für seine eigene Truppe – verstehe.

Ich bin dezidiert nicht dieser Meinung. Es gibt sehr wohl einen Bereich, in dem Künstlerinnen und Künstler ihre Werke herstellen. Er muss Vorrang haben. Und es gibt einen andern Bereich, in dem sich Vermittlerinnen und Vermittler bemühen, diese Werke unter die Leute zu bringen. Kunst ist nicht zuletzt Kommunikation. Für den Kunstverein stehen als Träger dieser Vermittlung im Vordergrund: Kunsthäuser (viele gestützt durch lokale Sektionen des SKV), Galerien – ja, auch die Medien mit ihren verschupften Rezensenten. Vermittelnde sind es, die das Publikum und ganz besonders die Jugend an die Werke heranführen. Professionell, methodisch, mit ansteckenden Elan.

Natürlich haben alle, die ich aufzählte, ihre Anliegen. Frauen und Männer zum Beispiel, die kunstferne Schichten für Kunst animieren, müssen die neuen Ausbildungslehrgänge meist noch selber konzipieren und bezahlen.

Deshalb ist ein Vermittlungspreis auch Signal, symbolischer Wertschätzungsakt. Gemeinsam wollen wir solche Preise ins Politische verlängern und konkretisieren. Wir stehen erst am Anfang. Die Fortsetzung muss sich spiegeln in den neuen Bundesgesetzen für Kulturförderung und Pro Helvetia, deren Kommissionsberatung im Nationalrat bereits nächsten Monat beginnt. Bleiben wir dran!

Kurzansprache von Claudia Jolles, Chefredaktorin des Kunst-Bulletins und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Kunstvereins

Liebe Kunstfreundinnen, Liebe Kunstfreunde

Wie alt wird das Kunst-Bulletin? 40 Jahre haben wir erstaunt festgestellt. Jung im Vergleich zur NZZ mit ihren 225 Jahren. Stattlich im Vergleich zu anderen Kunstzeitschriften.
Grund genug für eine Standortbestimmung. Dafür konnten wir das Institut für angewandte Medienforschung der Hochschule Zürich in Winterthur gewinnen. Von ca. 1000 versandten Fragebogen sind bereits über 400 zurückgekommen. Daraus erhoffen wir uns inhaltliche Rückschlüsse.
Das Jubiläumsjahr bietet uns den Anlass, das Layout zu überdenken und ein Redesign in Angriff zu nehmen. Keine Angst, wir werden nicht auf ein Grossformat umstellen. In verschiedenen Feedbackrunden waren sich alle angefragten Gestalterinnen einig: Das Format ist unser Markenzeichen. Das Kunst-Bulletin soll auch zukünftig in die Handtasche oder den Veston passen.
Beim Aufbruch in eine ungewisse Zukunft hilft auch der Blick zurück: Wir sind in den Estrich gestiegen und suchten dort die ersten Nummern des Kunst-Bulletins hervor. Auf der ersten Ausgabe lesen wir: Erschienen im Mai 1968, gratis verteilt an die damals ca. 13 000 Mitglieder des Schweizerischen Kunstvereins.
Im Geleitwort schreibt der damalige Präsident, Prof. Naegeli, er hoffe, dass das Kunst-Bulletin, – nicht nur dem Schweizerischen Kunstverein und den einzelnen örtlichen und regionalen Kunstgesellschaften, sondern auch ganz allgemein dem schweizerischen Kunstleben erheblichen Auftrieb wird vermitteln können und dass es vor allem auch der Kontaktnahme zwischen den verschiedenen kulturellen Regionen der Schweiz förderlich sein wird.
Diesen Worten schliesse ich mich gerne an. Ich freue mich, mit Ihnen bald herzhaft auf den grossartigen, wohlverdienten Preis für das Kunsthaus Zug mobil und auf dessen Initiant und spiritus rector, Matthias Haldemann, und seine Frau Sarah anzustossen – und gleichzeitig auch ein klein wenig auf unser Jubiläumsjahr. Bewegen uns doch ähnliche Anliegen: die Kunst möglichst nahe ans Publikum zu tragen und neue Kreise zu erschliessen.

Den Jurybericht, ein Bild des Containers und Impressionen der Preisverleihung finden Sie hier:
www.kunstverein.ch/aktuell.html

Infos zum Kunsthaus Zug mobil finden Sie hier:
http://www.kunsthauszug.ch/


Folgende Medien haben über den Preis für Kunstvermittlung in der Schweiz berichtet:

Neue Zuger Zeitung, Neues Bülacher Tagblatt, Zürcher Oberländer, Zürcher Unterländer, Zürichsee-Zeitung / Ausgabe Meilen rechtes Ufer, Bieler Tagblatt, Heute, Thurgauer Zeitung, Insider, Der Landbote,  St. Galler Tagblatt / Stammausgabe, Tages-Anzeiger
swissinfo.org/de, tagblatt.ch, Teletext SF 1, azonline.ch, bielertagblatt.ch, bluewin.ch, drs.ch

Mit freundlichen Grüssen

Ihr Peter Studer,
Präsident des Schweizerischen Kunstvereins
praesident(at)kunstverein.ch
 

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