Page Navigation

Jump to content
Schweizerischer Kunstverein
Kunstbrief 1/2006 - Dez. 2006

Newsletter des Präsidenten des Schweizerischen Kunstvereins

Sehr geehrte Freundinnen und Freunde der Schweizer Kunst,
Amies et amis de l'art en Suisse,

Darf ich mich vorstellen? Seit anfangs September bin ich Präsident des Schweizerischen Kunstvereins (SKV). Ich heisse Peter Studer, bin Journalist, Jurist und doziere Medienrecht/Medienethik sowie Kunstrecht.


1. Kommunikation

Einige Zeitungsnotizen haben meine Wahl gemeldet. Häufigste Reaktion mir gegenüber: "Sag mal, was macht dieser Verein?" Das Kader eines Museums fragt: "Weshalb beantragt die SKV-Verbandszentrale höhere Sektionsbeiträge? Was tun die eigentlich in Zürich?" Da muss es eine Kommunikationslücke geben. Sie hat mich bewogen, Sie künftig in kurzen Abständen über die Aktivität des SKV zu informieren.

Angeschrieben werden die Präsidenten und Delegierten der Sektionen, die Museumsleiter, besondere Freunde und Akteure der Kulturpolitik. (Gemeint sind natürlich Personen beiderlei Geschlechts).

Mit dieser Kommunikationsoffensive einhergehen soll der Versuch, Sektionen und Museen zu besuchen, aber auch ausgetretene oder nie angeworbene Kunstvereine in den SKV-Dachverband mit seinen drei Dutzend Sektionen zu integrieren (Bern, Basel, Tessin und andere).


2. Kulturpolitik

Wie Sie wissen, enthält die auf anfangs 2000 in Kraft getretene erneuerte Bundesverfassung erstmals einen Kulturartikel:

Art. 69 BV Kultur

Für den Bereich der Kultur sind die Kantone zuständig.

Der Bund kann kulturelle Bestrebungen von gesamtschweizerischem Interesse unterstützen sowie Kunst und Musik, insbesondere im Bereich der Ausbildung, fördern.

Er nimmt bei der Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf die kulturelle und sprachliche Vielfalt des Landes.

Diese Kompetenznorm muss konkretisiert werden. Unterwegs sind zwei Gesetzesvorhaben: Ein Kulturförderungsgesetz und ein Pro Helvetia-Gesetz. Beide im Stadium eines Vorentwurfs; im Frühjahr 2005 fand dazu das obligate Vernehmlassungsverfahren statt, an dem sich auch der Schweizerische Kunstverein beteiligt hatte. Auf Frühjahr 2007 sind nun die eigentlichen Gesetzesentwürfe in Aussicht gestellt. Sie gehen dann in die parlamentarische Beratung - zunächst in die Kommission "Wissenschaft - Kultur - Bildung" des Erstrats im Parlament. Erst nach Behandlung im Erstrat kommen Kommission und Plenum des Zweitrats an die Reihe.

Der SKV-Vorstand hat in der Vernehmlassung nach Anhörung der Sektionspräsidenten zu bedenken gegeben, dass

- 2.1. die Kulturstrukturen im Vorentwurf immer noch zu unübersichtlich und widersprüchlich angelegt sind. Sie sollten geklärt und vereinfacht werden: Regulation, Strategie, Geldüberwachung beim Bundesamt für Kultur (BAK) im Departement Couchepin; operationelle Kunstförderung im In- und Ausland bei der öffentlichrechtlichen Stiftung Pro Helvetia. (Diese rigorose Aufteilung ist allerdings auch im Vorstand nicht ganz unbestritten).

Heute ist auch das BAK als Amt des Innenministeriums an zahlreichen Schnittstellen ebenfalls mit Kulturförderung befasst. Anderseits entwirft die Pro Helvetia - so scheint mir - gelegentlich auch Strategien. Dazu kommt das Aussenministerium (EDA): Es unterhält Kulturprogramme des Dienstes für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), eines neu geschaffenen Kompetenzzentrums für Kulturaussenpolitik und der PR-orientierten "Präsenz Schweiz" (im Ausland). Da herrscht ein eigentliches Kompetenzgerangel, wie mehrere Vernehmlasser - auch der SKV - feststellten. Das System ist radikal zu vereinfachen.

- 2.2. der Schweizerische Kunstverein einen "Schweizerischen Kulturrat" vorschlägt. Dessen Funktion wäre konsultativ, Strategien begutachtend. Die Zusammensetzung: Kulturschaffende und Kulturvermittler (ein "Rat der Weisen"). Gefragt sind Persönlichkeiten, nicht eine weitere Kollektion von Verbandsvertretern. Der Kulturrat müsste rasch konkretisiert und in die Gesetzesvorbereitung eingespiesen werden.

Ich betrachte den Beitrag zur Umsetzung dieser Kritiken und Vorschläge als eine Hauptaufgabe des Präsidenten (Kultupolitisches Networking und Lobbying. Es hat bereits begonnen. So habe ich an zwei Tagungen konkurrierender Lobby-Gruppen teilgenommen).


3. Kulturverbreitung

In früheren Jahren (1999 / 2005) hat der SKV zusammen mit mittleren und kleineren Museen Künstler ausgewählt, für die dann - nicht immer ohne Mühe - eine Ausstellung mit Katalogheften durchgeführt wurde ("Echanges").

Für 2007 ist eine Tournée in Vorbereitung. Sie wird alimentiert aus den Künstlern, welche die freie Kuratorin Esther Jungo für die erfolgreiche und stimmungsvolle 200-Jahrfeier des SKV in St. Croix mobilisiert hat. Motto: "L'Art et ses Amants".

Projekte "Rayons du Soleil" 2007: Bespielt werden grössere und kleinere Kunsträume in St. Gallen, Baden, Zürich, Locarno, Winterthur, Moutier, Glarus, Liestal, Lausanne, Neuchâtel, Bern, Chur.

Als Auftakt zeigt der SKV zusammen mit dem Kunstverein St. Gallen am Samstag, 13. Januar 2007 die Première des Films "Die Kunst, das Leben und der Tod" von Frank und Patrick Riklin (St. Gallen). Das Kunstmuseum St. Gallen gewährt Gastrecht. Die Riklins haben aus ihrem "Atelier für Sonderaufgaben" vier Kunstveteranen auf anrührende Weise portraitiert. Gäste aus andern Sektionen sind willkommen (vgl. Karte in diesem Aussand).

Weitere Projekte ab 2008 müssen Kontinuität schaffen. Für 2009 ist zusammen mit dem Schweizer Alpenclub ein Projekt "Kunst und SAC-Hütten" in Vorbereitung. Es soll, ausgehend von kleineren Museen, in der Umgebung einiger Berghäuser stattfinden.


4. Kunstpublikationen

Der SKV ist Herausgeber des erfolgreichen "Kunst-Bulletins". Unter der Leitung von Chefredaktorin Claudia Jolles hat das Redaktionsteam dieses Bulletin erfolgreich verankert. Sein "Unique Selling Point": Während Zeitungen und Fernsehen landauf, landab die Kulturberichterstattung einschränken, bietet das KB eine umfassende Information über das Kunstleben in der Schweiz. Dazu kommen Schlaglichter aus der internationalen Kunstszene. Dank sehr guter Inseratenlage (während die Inserate in der Presse abnehmen) ist die Existenz gesichert. Anstrengungen müssen aber in der Abo-Werbung unternommen werden (leichter Rückgang wie in allen Printmedien, ausgenommen Pendlerzeitungen). Paradox ist, dass von den rund 13 000 Heften nur 4 000 auf die gegen 40 000 Mitglieder der SKV-Sektionen entfallen. Da liegt von der Qualität des Hefts her weit mehr drin. Verlegerische und konzeptionelle "sanfte Strategien" sind in Vorbereitung.

1998 ist unter der Herausgeberschaft des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft und des SKV ein prachtvoller Band "Die Kunst zu sammeln" (Schweizer Kunstsammlungen seit 1848) erschienen. Der Präsident bemüht sich, den Band, der fast ausschliesslich Sammlungen der frühen und der klassischen Moderne abbildet, mit einem Nachfolgeband bis in die Gegenwartssammlungen fortzusetzen. Erste Gespräche sind anberaumt.


5. Kunstwissen

Delegiertenversammlung des Schweizerischen Kunstvereins am Freitag, 7. September 2007
in Aarau:
Wir bauen das Rahmenprogramm um das renommierte Aargauer Kunsthaus, das sich besonders um zeitgenössische Schweizer Kunst verdient gemacht hat. Der scheidende Direktor Beat Wismer wird seine letzte Ausstellung - Grosse Sammlungsausstellung im Aargauer Kunsthaus - kommentieren. Franziska Dürr berichtet über ihr Modell der Kunstvermittlung/Museumspädagogik für Kinder im Kunsthaus.

Neue Entwicklungen im Kunstrecht: Zusammen mit der Universität St. Gallen plant der SKV eine Tagung in Zürich am Freitag, 19. Oktober 2007, im Vortragssaal des Kunsthauses Zürich.

Bitte reservieren Sie sich diese Daten!

Bemerkungen aus dem Adressatenkreis würden mich freuen - studer.pe@bluewin.ch.


Mit freundlichen Grüssen

Ihr Peter Studer

Schweizerischer Kunstverein
Die Dachorganisation für Kunstförderung, Kunstvermittlung und
Kulturaustausch
Herausgeber von Kunst-Bulletin

Geschäftsstelle
Postfach 2272, 8026 Zürich
E: info@kunstverein.ch
W: www.kunstverein.ch
T: +41 044 241 63 01
F: +41 044 241 63 73